Wintzenried

Am Anfang aller Philosophie, so ist es von Aristoteles überliefert, steht das Staunen. Im neuen Roman von Karl-Heinz Ott werden wir eines Besseren belehrt: Am Anfang der Philosophie steht hier nicht das Staunen, sondern die Raserei eines eifersüchtigen Jünglings, der in onanistischer Selbsterhitzung ein Programm der Weltbeglückung ausbrütet. Es geht um nichts Geringeres als um die Geburt der Philosophie aus dem Furor der Eifersucht, um die Selbstüberhebung eines narzisstischen Träumers zum Welterlöser. Karl-Heinz Ott zeichnet das Porträt des genialischen Schriftstellers und Menschheitserziehers Jean-Jacques Rousseau, dem das stete Schwanken zwischen Sendungsbewusstsein und Grössenwahn zum Verhängnis wird. Die Geistesgeschichte ist reich an Tragödien von Meisterdenkern, die ihre geschichtsphilosophischen Visionen der Befreiung in blutige politische Praxis überführten. An kaum einer Lebensgeschichte lässt sich aber so anschaulich und drastisch die Hybris und Selbstverblendung des Denkens darstellen wie an der Biografie des Jahrhundertphilosophen Rousseau.Michael Braun: „Tragödie eines Meisterdenkers“
© Neue Zürcher Zeitung, 15. Oktober 2011
Karl–Heinz Ott
Wintzenried
Hoffmann & Campe, Hamburg, 2011
ISBN 978-3-455-40311-4
Wintzenried
Hoffmann & Campe, Hamburg, 2011
ISBN 978-3-455-40311-4










