Urs Widmer

Herr Adamson

Urs Widmer: Herr Adamson © Diogenes Verlag Unter den vielen Kunststücken, mit denen uns der Schweizer Erzähler Urs Widmer seit seinem Blauen Siphon verblüfft hat, ist dies wohl das vituoseste. Es beginnt, wie so manches von Widmer, in leichtem Ton eines Märchens für Erwachsene. Und für lange Zeit strahlt man dieser Erzählung nach wie Kinder einer Seifenblase. Man schleicht mit dem Erzähler an dessem achten Geburtstag in einen verzauberten Paradiesgarten in Basel, lernt mit ihm den leicht kauzigen, aber durchaus liebenswerten alten Herrn Adamson kennen, begleitet die beiden bei verbotenen Abenteuern und nimmt mit Amüsement und dann mit Verdutztheit die kleinen Seltsamkeiten zur Kenntnis, die sich um Herrn Adamson zu häufen beginnen. Er scheint für alle unsichtbar und unhörbar zu sein. Kann er nicht sogar seinen Kopf durch Glasscheiben stecken? Andere Leute gehen durch ihn hindurch und merken dabei nichts, außer dass sie kurz frösteln. Sollte Herr Adamson ein Gespenst sein? Ein Untoter? Fragen über Fragen, und alle verdunkeln langsam das leuchtende Widmersche Schwebekonstrukt.

Andreas Isenschmid: “Die Freuden der Halbtoten”
© Die ZEIT-Literatur, 08. Oktober 2009

Urs Widmer
Herr Adamson
Diogenes Verlag, Zürich, 2009
ISBN 978-3-257-06718-7
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