Belletristik – Romane, Erzählungen

Ingeborg Bachmann
Male oscuro. Aufzeichnungen aus der Zeit der Krankheit

© Verlage Suhrkamp und Piper, Berlin/ München, 2017Ingeborg Bachmann: Male oscuro. Aufzeichnungen aus der Zeit der Krankheit © Verlage Suhrkamp und Piper, Berlin/ München, 2017Es ist eine Veranstaltung, bei der viel von Skrupeln die Rede ist, mit denen man umgehen muss, wenn man die Texte und Briefe der 1973 tragisch zu Tode gekommenen Ingeborg Bachmann neu editiert oder überhaupt erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Und wie um sich selbst Mut zu machen, haben die Herausgeber unter der Führung des Salzburger Germanisten Hans Höller gleich zu Beginn Privates aus Bachmanns schlimmsten Jahren aus dem Archiv geholt. Bisher nie Gelesenes.
Es handelt sich um Traumprotokolle, Briefe und Reden aus der Zeit des großen Zusammenbruchs nach der Trennung von Max Frisch 1962. „Male oscuro“ heißt das Buch, das von jenem „dunklen Übel“ handelt, das die Autorin bis zum Tod nie wirklich loslassen wird. Es sind Anklagen an die Medizin und Selbstbeschwichtigungen, Notate aus Kliniken und Therapien, aus einem Seelengefängnis, zu dem es keinen Schlüssel gibt. (…) In zwei Reden ähnelnden Texten beschreibt sie in den Aufzeichnungen die therapeutischen Höllen, die sie durchlebt hat, weil die Medizin das Physische und das Psychische nicht als Ganzes denkt. Ihre Auseinandersetzung mit den Missverständnissen und Fehldiagnosen scheint ihrer Zeit so weit voraus zu sein, wie umgekehrt die Träume an Vergangenes gefesselt bleiben.

Paul Jandl: „Ich fahre Ski auf einem Satz“
© Neue Zürcher Zeitung, 25. Februar 2017

Ingeborg Bachmann
Male oscuro. Aufzeichnungen aus der Zeit der Krankheit
Verlage Suhrkamp und Piper, Berlin/ München, 2017
ISBN 978-3-518-42602-9
259 Seiten