Belletristik – Romane, Erzählungen

Olga Grjasnowa
Gott ist nicht schüchtern

© Aufbau Verlag, Berlin, 2017 Olga Grjasnowa: Gott ist nicht schüchtern © Aufbau Verlag, Berlin, 2017In ihrem dritten Roman „Gott ist nicht schüchtern“ hat Olga Grjasnowa das Gefälle zwischen der gesellschaftlichen wie biografischen Ausgangsposition ihrer Protagonisten und deren weiterer Lebensgeschichte besonders steil angelegt. Im Lauf der Jahre zwischen 2011 und 2016 werden Hammoudi und Amal alles einbüßen, was ihr bisheriges Dasein ausmachte. (…)
Denn dieser Roman führt nach Syrien, mitten hinein in den Arabischen Frühling, der im Jahr 2011 auch auf das Herrschaftsgebiet von Baschar al-Assad übergreift. Amal, die aufgrund der zwielichtigen Geschäfte ihres Vaters in ökonomischer Sorglosigkeit lebt, schließt sich den Demonstrationen gegen das Regime an, Hammoudi muss nach Syrien zurückkehren, um seinen Pass verlängert zu bekommen. Danach will er seine Stelle in Paris antreten und mit Claire zusammenleben. (…)
Im Januar 2014, noch vor der Vernichtungsschlacht um Aleppo, schätzten die Vereinten Nationen die Zahl der Toten im syrischen Bürgerkrieg bereits auf mehr als 430 000, Hunderttausende fielen Vergewaltigungen und Folterungen zum Opfer. Diese Eskalation der Grausamkeit veranschaulicht Olga Grjasnowa in zwei einander nur kurz touchierende Hintergrundgeschichten. Sie erzählen vom Leben in einem auf der Willkür der Geheimdienste, auf physischer Gewalt und alltäglicher Korruption fußenden System, das allerhand Annehmlichkeiten für die Privilegierten einschließt und schließlich unweigerlich in die Flucht mündet.

Frauke Meyer-Gosau: „Sturz ins Nichts“
© Süddeutsche Zeitung, 22. März 2017

Olga Grjasnowa
Gott ist nicht schüchtern
Aufbau Verlag, Berlin, 2017
ISBN 9783351036652
309 Seiten


Links zum Thema