Belletristik – Romane, Erzählungen

Gerhard Henschel
Arbeiterroman

© Hoffmann & Campe Verlag, Hamburg, 2017 Gerhard Henschel: Arbeiterroman © Hoffmann & Campe Verlag, Hamburg, 2017Dieser Roman handelt wie die sechs vorherigen Wälzer seiner Chronik der Wohlstands-BRD vom Klebstoff in einer klassischen Mittelschichtsfamilie, seiner Familie… (…). Seit der Großeltern-Generation wurde in Henschels Familie der Alltag vermessen und gebannt, sei es in Bau- oder Liebestagebüchern, Fotoalben und langen Briefen.
Aus diesem Material, das Henschel eingesammelt hat und in seinem Keller sortiert hält, sowie intensiven Recherchen in Staatsbibliotheken über Produkte, politische Ereignisse und programmatische Zeiterscheinungen, rekonstruiert er seine Vergangenheit im Tempo „eineinhalb Seiten pro Tag“, mit dem Anspruch, alles „möglichst eins zu eins“ so wiederzugeben, wie es war. Beteiligte bekommen „ihre“ Passagen sogar zum Gegenlesen, damit sie verbessern, was sie besser wissen.
So entsteht dieser Sog des Dabeiseins, der einem das Deutschland des 20. Jahrhunderts in seiner erfreulich vielfältigen Normalität wie eine Neuerscheinung präsentiert. Der Fluch der Authentizität, der andere Autoren lieber erfinden lässt, als mühselig zu recherchieren, ist Gerhard Henschels Segensreich. Was er dazu erfindet, das ist die feine satirische Kommentierung, mit der er alles Wichtigtuerische piesackt und alle menschlichen Fehler freundlich aussehen lässt. Jede Nacht bis in die Morgenstunden verwebt er so in seinem Einfamilienhauskeller Präzision mit Witz. Ein Arbeiterleben, wie es jetzt auch im Buche steht.

Till Briegler: „Alleskleber“
© Süddeutsche Zeitung, 21. März 2017

Gerhard Henschel
Arbeiterroman
Hoffmann & Campe Verlag, Hamburg, 2017
ISBN 9783455405750
530 Seiten


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