Belletristik – Romane, Erzählungen

Eva Menasse
Tiere für Fortgeschrittene

© Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln, 2017 Eva Menasse: Tiere für Fortgeschrittene © Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln, 2017Ist das nun Fluch oder Segen? „In letzter Zeit kann man sich auf überhaupt nichts mehr einigen“, beklagt sich die Gastgeberin, als im Freundeskreis die alten Gewissheiten bröckeln: Sollen Berichte über Verbrechen auch die Nationalität der Täter enthalten, oder ist das, wie einer meint, rassistisch und bedient Vorurteile? (…) Ist die Kontroverse ein Zeichen, wie ein Gast meint, dass es „unter uns auch immer rechter“ wird? Oder kann man, wie Nora, froh sein, dass es in den Gesprächen „ausnahmsweise um etwas geht“? (…)
Die Frage, ob das ein sinnvoller Ansatz ist und wohin er letztlich führt, gibt Eva Menasses gerade erschienenem Erzählungsband die äußere Struktur. Er heißt „Tiere für Fortgeschrittene“, seine Kapitel tragen Überschriften wie „Raupen“, „Schafe“, „Schlangen“ oder, wie Noras Geschichte, „Haie“, und jedem dieser acht Texte ist eine kleine Wissenschaftsmeldung vorangestellt, die von Tieren handelt. Sie erzählen von Enten, die noch im Schlaf ein Auge wachsam offen halten können, von einem Mann, der ein überfahrenes Opossum per Mund-zu-Mund-Beatmung retten will, oder von Schmetterlingen, die sich an Krokodilstränen laben. (…) Auf der Habenseite des Bandes aber stehen die Miniaturen familiärer Verstrickungen, der Abhängigkeiten zwischen den Generationen und innerhalb der Paare, des schwankenden Bodens, den man betritt, wenn man sich an einen anderen bindet, von dem man nicht weiß, wie lange und wie ernsthaft er diese Bereitschaft erwidern wird.

Meike Fessmann: „Wer die Ente stört“
© Süddeutsche Zeitung, 21. März 2017

Eva Menasse
Tiere für Fortgeschrittene
Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln, 2017
ISBN 9783462047912
317 Seiten


Links zum Thema