Belletristik – Romane, Erzählungen

Martin Walser
Statt etwas oder Der letzte Rank

© Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2017 Martin Walser: Statt etwas oder Der letzte Rank © Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2017Anders als sein Antipode Günter Grass, der sich oppositionell gerierte und dabei immer im Mainstream schwamm, fiel Walser nie auf die Füße, sondern verfing sich in teilweise selbstgestellten Fallen; schwer zu sagen, was daran Prinzipientreue war und was taktisches Ungeschick. Die schmerzlichen Reflexe auf all diese Vorgänge durch­zucken das Buch dicht unter der Haut seiner behaupteten Gelassenheit. Und dann natürlich das Kapitel: Walser und die Frauen. Hier bietet sich dem Leser, obschon in anonymisierter und anekdotisierter Form, doch so etwas wie die Erinnerung an konkrete Erlebnisse dar.
Es ist nicht müßig, sich anzuhören, was Walser hier zu seiner Verteidigung zu sagen hat, denn es enthält bemerkenswerte Einsichten über Exklusivität und Teilbarkeit von Liebe, über das Verhältnis von Wahrheit und Lüge. „Ich wusste, ich kann nur denen glauben, die mich belügen. Das heißt, die mir zuliebe die Unwahrheit sagen. Durch Lüge kommt so viel Wahrheit in die Welt wie durch Wahrheit.“ (…) Es ist, als un­voll­kommenes, aber höchstpersönliches Resümee, interessanter als alle Weisheit des Brahmanen. Ein rundum versöhnliches Buch ist es dann doch nicht geworden. Aber wer wünscht sich schon einen versöhnten Walser?

Burkhard Müller: „Meine Feinde“
© Süddeutsche Zeitung, 5. Januar 2017

Martin Walser
Statt etwas oder Der letzte Rank
Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2017
ISBN 9783498073923
170 Seiten


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