Lesen, worüber man auf dem deutschsprachigen Buchmarkt spricht

Ein Projekt der Goethe-Institute in Tallinn, Riga, Vilnius, Warschau, Krakau, Prag, Bratislava, Budapest und Ljubljana
Unsere Auswahl neuer deutschsprachiger Belletristik und Sachliteratur spiegelt – mittels Rezensionen aus führenden deutschsprachigen Medien – aktuelle Tendenzen und Empfehlungen jeweils nach den Buchmessen wider. Verschaffen Sie sich einen Überblick!
© Verlage Suhrkamp und Piper, Berlin/ München, 2017
Herbst 2017

    Vorwort der aktuellen Ausgabe
    Christoph Bartmann © Christoph Bartmann

    Bücher, über die man spricht

    Von Christoph Bartmann
    In diesem Herbst des Missvergnügens sprechen wir, zuhause, mit Freunden oder auf der Arbeit, viel mehr über Politik als früher. Vor allem über den Triumph des rechten Populismus, des Ressentiments und des neuen Nationalismus, nicht nur hier und da, sondern beinahe flächendeckend in der Welt. Die Zeit, die wir bei solchen Themen verbringen, geht ab von der Zeit, in der wir über Bücher sprechen. Es sei denn, aber das kommt selten vor, dass ein Buch sich lesen lässt als Antwort auf Fragen der Zeit. Wenn es vorkommt, dann sind es seltener Romane, sondern eher Sachbücher, die solche Debatten begleiten oder sie sogar auslösen. In Deutschland war das zuletzt und ganz unerwartet ein bei Erscheinen schon sieben Jahre altes Buch aus Frankreich, Didier Éribons „Rückkehr nach Reims“ (2016). Der Soziologe und Foucault-Biograph reflektiert darin seine Herkunft aus dem Arbeitermilieu in Reims, seine kulturelle Befreiung von diesem Milieu beim Studium in Paris und den Schock, mit dem er Jahrzehnte später erkennen muss, dass die „kleinen Leute“ von Reims zur Beute des „Front National“ geworden sind. In Deutschland las man Éribons Essay als Kommentar zur aktuellen Lage. Hier war ein Buch, das den Ruck nach rechts im eigenen Erleben verortet und zugleich Begriffe findet, die das Ereignis erklären.Mehr ...