Blick auf die deutsche Literaturszene

Foto: Goethe-Insitut/Loredana La Rocca Foto: Goethe-Insitut/Loredana La Rocca Kluge Gedanken: Übersetzer, Literaten und Kulturwissenschaftler liefern Einschätzungen, Analysen und Hintergründe zur Lage der deutschsprachigen Literatur in den Ländern Mittelosteuropas.
    Berthold Franke © Berthold Franke

    „Bücher, über die man spricht“

    Von Berthold Franke
    Neben zweifellos anstrengenden Seiten bietet die Teilnahme an einer Literaturjury auch angenehme Aspekte: Lesen, extensive Lektüre dürfen in einer Art Ausnahmezustand für eine Weile zum Hauptberuf gemacht werden. Als Juror des Deutschen Buchpreises hat man es dann aber mit einer interessanten Verschiebung der Perspektive zu tun. Welt und Wirklichkeit werden plötzlich gewissermaßen durch die Brille aktueller deutschsprachiger Prosa wahrgenommen, ein durchaus spannendes Projekt. Denn was man auf diese Weise zu sehen bekommt, ist eine Wirklichkeit zweiter Instanz, eben eine literarisch vermittelte.Mehr ...
    György Dragomán © György Dragomán

    Grenzen und Geschichten

    Von György Dragomán
    Im Zug sitzend schreibe ich diese Zeilen, bald passieren wir die ungarisch-österreichische Grenze. Ich bringe mein Buch nach Salzburg, dort werde ich aus der deutschen Ausgabe von Scheiterhaufen lesen. Man könnte auch sagen, mein Buch trägt mich, wie in den vergangenen Jahren so oft, wieder über die Grenze, um sich zusammen mit mir den Lesern zu präsentieren.
    Der Roman spielt in Siebenbürgen, er beschreibt sehr persönlich und plastisch das erste stürmische Jahr nach dem Fall der kommunistischen Diktatur aus einer Innenperspektive.Mehr ...
    Richard Kämmerlings © Martin U. K. Lengemann

    Geister der Vergangenheit, Vorschein der Zukunft:
    Zur deutschsprachigen Literatur 2015

    Von Richard Kämmerlings
    Im August 2015 kehrte völlig überraschend ein alter Hit der Band Die Ärzte an die Spitze der Charts zurück: „Schrei nach Liebe“ war erstmals 1993 erschienen, ein Anti-Nazi-Punksong als Reaktion auf die ausländerfeindlichen Ausschreitungen und Anschläge in den frühen Neunzigerjahren. Ortsnamen wie Hoyerswerda, Mölln, Solingen oder Rostock-Lichtenhagen stehen bis heute für ein dunkles Kapitel der Nachwendezeit; neue Namen sind beschämenderweise in jüngster Zeit hinzugekommen.Mehr ...
    Lothar Müller © Rolf Walter

    Aus sich herausgehen – Warum es ein Glück ist, dass die deutsche Literatursprache nie allein zu Haus war

    Von Lothar Müller
    Den Namen der kleinen Stadt, die der Roman „Zeiden, im Januar“ im Titel führt, kennt kaum jemand. Sie liegt in Rumänien, heißt dort Codlea, und auf Ungarisch Feketehalom. Wer den Roman liest, der weiß am Ende, dass um die Stadt herum viel Wald ist, dass sie am Fuß eines Berges liegt und dass in dem Landstrich, in dem die kleine Stadt liegt, mal das Ungarische, mal das Rumänische, mal das Deutsche die Sprache derer war, die das Sagen hatten. Auch kann bei der Lektüre der Verdacht entstehen, dass in der fernen, kleinen Welt, von der hier erzählt wird, die Sagen über die Sprachgrenzen hinweg ineinander übergehen:Mehr ...
    Jochen Schmidt © Tim Jockel

    Was habe ich nach der Wende lernen müssen?

    Von Jochen Schmidt

    – Dass man ein Steak auch „medium“ bestellen konnte.
    – Meine neue, fünfstellige Postleitzahl.
    – Das Mülltonnenfarbspektrum.
    – Beim Fahrradfahren einhändig einen Döner zu essen.Mehr ...
    Alexander Cammann © Alexander Cammann

    Made in East Germany

    Von Alexander Cammann
    Nach ihrem Untergang wurde sie zu einer großen Erfolgsgeschichte: Die längst verblichene DDR, jenes im Rückblick so seltsame, vom eigenen Volk 1989 ins historische Jenseits beförderte marode kleine Staatsgebilde, ist künstlerisch bis heute eine blühende Landschaft. 25 Jahre nach dem Mauerfall hat Deutschland nicht nur einen Bundespräsidenten und eine Kanzlerin aus dem Osten.Mehr ...
    Christoph Schröder © Christoph Schröder

    „Ihr müsst ein glückliches, sorgenfreies Land sein“

    Von Christoph Schröder
    „Ihr müsst ein glückliches, sorgenfreies Land sein.“ Diesen Satz sagte der Lektor eines nicht unbedeutenden französischen Literaturverlages auf der Frankfurter Buchmesse. Der Lektor bezog sich auf die diesjährige Shortlist des Deutschen Buchpreises, und er meinte seine Aussage durchaus doppeldeutig.Mehr ...
    Alida Bremer © Alida Bremer

    Europa liest: Literaturveranstaltungen und Schriftstellertreffen im europäischen Kontext

    Die Literatur ermöglicht Einblicke in die Leben anderer Menschen, in gesellschaftliche Situationen fremder Länder und vergangener Zeiten. Wenn Europa nicht nur eine wirtschaftliche Gemeinschaft sein soll, die durch eine Finanzkrise schwer im eigenen Selbstverständnis erschüttert werden kann, sondern ein Kontinent, vernetzt durch kulturelle und Mehr ...
    Thomas Wohlfahrt © Thomas Wohlfahrt

    Lyrik boomt!

    Davon zeugt eine wachsende Zahl an Lyrikveranstaltungen und Poesiefestivals in den meisten europäischen Ländern.
    An den geringen Verkaufszahlen von Lyrikbüchern hingegen hat sich kaum etwas geändert. In Deutschland etwa liegt der Verkauf, bezogen auf den Gesamtumsatz des Buchhandels nach Auskunft des "Buchhändler- und Verlegerverbandes", im Null Komma X-Prozent-Bereich.Mehr ...
    Michal Hvorecký © Michal Hvorecký

    Die Dieter-Bohlenisierung¹ des Buchmarkts

    Über die radikale Wandlung deutscher Literatur und des ganzen Buchmarkts innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte.
    Von Michal HvoreckýMehr ...
    Katharina Raabe ; Copyright: juergen.bauer.com

    Zur mitteleuropäischen Literatur in deutschsprachigen Verlagen

    Bücher aus Mitteleuropa haben, entgegen einem verbreiteten Vorurteil, in den deutschsprachigen Verlagen einen festen Platz. Einen ungarischen, polnischen, tschechischen, slowakischen oder slowenischen Autor zu entdecken und zu verlegen gilt nach wie vor als schwierig, doch in den literarisch anspruchsvollen Publikumsverlagen sitzen Lektoren, die sich mit der ihnen zu Gebote stehenden Überzeugungskraft dafür stark machen.Mehr ...
    Dr. phil. Helmut Böttiger

    Zur Entwicklung der deutschen Literaturkritik

    Die Literaturkritik ist von der Entwicklung des Journalismus nicht zu trennen. Und hier hat in den letzten Jahren ein grundlegender Paradigmenwechsel stattgefunden. Bis vor wenigen Jahren gab es bei Pressekonferenzen, die im Vorfeld für eine Großveranstaltung werben sollten, die einschlägige Formulierung „Wir begrüßen hochrangige Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur.“ Heute heißt diese Formulierung: „Wir begrüßen hochrangige Gäste aus Politik, Wirtschaft und Medien.“Mehr ...
    Jörg Plath

    Die osteuropäischen Literaturen von Deutschland aus gesehen

    Ex oriente lux? Nein, das war einmal, vor gut 100 Jahren, als ermattete Westeuropäer hofften, das abendländische Denken und Fühlen möge an Dostojewski und Tolstoj genesen. In postutopischen Zeiten fallen die Erwartungen an Literatur aus Osteuropa bescheidener aus.Mehr ...
    Lerke von Saalfeld, Deutschland © Lerke von Saalfeld

    Bilanz des sozialistischen Groß-Projekts 20 Jahre danach

    In Deutschland dominierten in den Buchveröffentlichungen im Jahr 2009 – zwanzig Jahre nach dem Ende des Ostblocks – die Erinnerungen an den Fall der Mauer, in Bildbänden, Tagebüchern, Zeitzeugenberichten, literarischen Stellungnahmen.Mehr ...
    Ina Hartwig, Deutschland © Georg Kumpfmüller

    Die Gegenwart erfassen

    20 Jahre nach dem Mauerfall wird in Deutschland wieder sehr selbstbewusst erzählt. Von Literaturkritikerin Ina HartwigMehr ...