Sachbücher zu Philosophie, Gesellschaft, Literatur- und Kulturgeschichte

Heinz Schilling
1517. Weltgeschichte eines Jahres

© C. H. Beck Verlag, München, 2017 Heinz Schilling: 1517. Weltgeschichte eines Jahres © C. H. Beck Verlag, München, 20171517, das war weit mehr als jener Martin Luther, der da im aufstrebenden Pro­vinz­nest Wittenberg, „an den Grenzen der Zivilisation“, wie er selbst schrieb, seine 95 Thesen publizierte und damit letztlich seine eigene Kirche spaltete. 1517, das war eine atemberaubend vielschichtige Zeit voller Widersprüche, geprägt zum einen von Aufbrüchen, zum anderen von Ängsten. (…) Das waren raue, harte, brutale, gefährliche Zeiten mit einer Lebenserwartung von gerade mal gut 30 Jahren. Seuchen, Naturkatastrophen, die Abhängigkeit von guter Ernte, all das bedrohte die Menschen, die zudem eine buchstäblich höllische Angst vor dem Teufel hatten - ob Bauern, Mönche wie Luther, Patrizier oder Regenten. Der Niederländer Hieronymus Bosch malte diese Albträume in seinen apokalyptischen Bildern. „Man war sich gewiss, dass die überirdischen Kräfte durch ihre Agenten unmittelbar in das Weltgeschehen eingriffen“, beschreibt Schilling die Allgegenwart von Religion und Magie in dieser alles andere als aufgeklärten Zeit.
Wobei es etliche Ansätze für neues Denken gab - erstaunlich viele nahezu zeitgleich. Neben Luthers Erneuerung des christlichen Glaubens veröffentlichte der Humanist Erasmus von Rotterdam ebenfalls 1517 seine „Querela Pacis“, die „Klage des Friedens“. Er sah hellsichtig Streit und Kriege wegen des entstehenden Nationalismus in Europa aufziehen, dessen Zerfall er fürchtete - Gedanken, die uns 2017 bekannt vorkommen.

Alexander Jungkunz: „Ängste und Aufbrüche“
© Nürnberger Nachrichten, 18. März 2017

Heinz Schilling
1517. Weltgeschichte eines Jahres
C. H. Beck Verlag, München, 2017
ISBN 9783406700699
363 Seiten


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