Sachbücher zu Philosophie, Gesellschaft, Literatur- und Kulturgeschichte

Jörg Später
Siegfried Kracauer. Eine Biographie

© Suhrkamp Verlag, Berlin, 2016 Jörg Später: Siegfried Kracauer. Eine Biographie © Suhrkamp Verlag, Berlin, 2016Kracauer war Physiognomiker, ein Experte für Bilder und jene „O­ber­flä­chen­er­scheinungen“, die er seinen Lesern mit dem Rüstzeug einer phä­no­meno­lo­gisch inspirierten Kulturphilosophie erschloss. Die Wahrheit, nach der Kracauers Texte suchen, liegt offen zutage; man muss sie allerdings sehen wollen und, sofern man denn Philosoph ist, auch sagen können, was man sieht.
Kracauer, der es auf diesem Gebiet zu einiger Könnerschaft brachte, war Autodidakt. Obwohl als junger Mann regelmäßiger Gast in den Berliner Vorlesungen Georg Simmels, obwohl jahrzehntelang Korrespondenzpartner Theodor W. Adornos und Walter Benjamins, war er kein Philosoph im akademischen Sinn des Wortes. Der Absolvent eines Architekturstudiums schrieb lange Jahre für große Zeitungen, er war ein von der Kritik geschätzter Schriftsteller und ein Pionier der Filmtheorie. Verbunden waren all diese wortberuflichen Engagements durch die Fähigkeit, die Vorstellungen, die hier und jetzt die Köpfe der Menschen beherrschen, aus jenen „unauffälligen Tatsachen“ herauszulesen, welche „die Oberfläche des Lebens bilden“.
Neben alldem war Kracauer auch Biograf. Im Pariser Exil schrieb dieser literarische Alleskönner die „Gesellschaftsbiografie“ Jacques Offenbachs und gab damit Maß und Anspruch auch für seine eigene Lebensbeschreibung vor. Um es gleich zu sagen: Der Historiker Jörg Später, der diese Herausforderung jetzt angenommen hat, meistert seine Aufgabe bravourös.

Ralf Konersmann: „Ein Philosoph, der sich mit den vorletzten Dingen bescheidet“
© Neue Zürcher Zeitung, 26. November 2016

Jörg Später
Siegfried Kracauer. Eine Biographie
Suhrkamp Verlag, Berlin, 2016
ISBN 9783518425725
741 Seiten


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