Sachbücher zu Gesellschaft, Kulturgeschichte, Geschichte und Autobiographien

Ute Frevert
Die Politik der Demütigung. Schauplätze von Macht und Ohnmacht

© S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2017 Ute Frevert: Die Politik der Demütigung. Schauplätze von Macht und Ohnmacht © S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2017Die Würde des Menschen ist antastbar. Es vergeht kaum eine Minute, in der sich dies nicht irgendwo auf der Welt zeigt. Von der Steinzeit bis zur Gegenwart zieht sich die Geschichte der Demütigung von Menschen. Bis heute werden Stigma und gesellschaftlicher Ausschluss als Waffen eingesetzt. Dabei galt und gilt: Je größer die Öffentlichkeit, desto größer die Scham, die sich einbrennt.
Zweieinhalb Jahrhunderte dieser Geschichte des Wechselspiels zwischen Macht und Ohnmacht, zwischen Unterlegenheit und Unterwerfung hat Ute Frevert nun durch­schritten. Die Leiterin des Forschungsbereichs „Geschichte der Gefühle“ am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin führt in überaus anschaulichen Schilderungen vor Augen, wie sich das Machtmittel Demütigung über die Epochen hinweg verändert hat. (…) Aber auch im 21. Jahrhundert ist Demütigung als gezielt eingesetztes Instrument nicht verschwunden. Im Gegenteil: In den Vereinigten Staaten verurteilen Gerichte Menschen dazu, ihre Vergehen öffentlich kundzutun. Auch in Europa und in Deutschland sorgen mediale Pranger, ob analog oder digital, und die vielfältigen Veröffentlichungsmöglichkeiten des Internets dafür, dass öffentliche Beschämungen allgegenwärtig sind. (…) Stets wurde und wird Macht demonstriert in öffentlichen Beschämungen. Indem man andere vor Augenzeugen in die Knie zwingt, wird der eigene Anspruch auf eine herausgehobene, machtvolle Position untermauert.

Thomas Speckmann: „Der Zuschauer entscheidet“
© Süddeutsche Zeitung, 5. Oktober 2017

Ute Frevert
Die Politik der Demütigung. Schauplätze von Macht und Ohnmacht
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2017
ISBN 978-3-10-397222-1
336 Seiten