Sachbücher zu Gesellschaft, Kulturgeschichte, Geschichte und Autobiographien

Gregor Gysi
Ein Leben ist zu wenig. Die Autobiographie

© Aufbau Verlag, Berlin, 2017 Gregor Gysi: Ein Leben ist zu wenig. Die Autobiographie © Aufbau Verlag, Berlin, 2017Nicht die Eitelkeit sei „das Problem“ der eitlen Leute, „sondern die Frage, ob sie ihre Eitelkeit beherrschen oder von ihr beherrscht werden“. Das Fazit nach der Lektüre: Ohne Eitelkeit hätte Gysi seine letzten fünfzig Jahre nicht heil überstanden. (…) Vater Gysi hat seinen Sohn und die Tochter zum Kommunismus hin erzogen. Der Tochter wurde die restriktive Politik der DDR in den 80er Jahren zu bunt. Der Vater half bei der Ausreise. Der Sohn blieb beim heruntergestuften Kommunismus, dem Sozialismus, und bei dem Gedanken, dass die „Härte des Kalten Krieges“ und die Unerfahrenheit der Machthaber samt ihrer Selbstgerechtigkeit das politische System der DDR zugrunde gerichtet hätten. Der größte Gegner der DDR, so Gysi, sei nicht äußere Feindlichkeit gewesen, sondern das System selbst. (…)
Diese Autobiografie ist ehrlich. Gysi spricht offen über sich. Er hat besten Einblick in die DDR-Verhältnisse. Daher ist sein Buch ein bleibendes Geschichtswerk. Am interessantesten sind die Passagen, in denen er über den Beginn der Partei des Demokratischen Sozialismus, der Nachfolgepartei der SED, berichtet. Ein kregler Typ, der er ist, SED-Mitglied, das er war, kam er in das Amt des Parteivorsitzenden der PDS quasi wie die Jungfrau zum Kind. Heute erklärt er das damit, dass man Verantwortung für die Vergangenheit übernehmen musste und dass er halt immer noch zum sozialistischen Denken stehe.

Franziska Augstein: „Ein sozialer Solitär“
© Süddeutsche Zeitung, 10. Oktober 2017

Gregor Gysi
Ein Leben ist zu wenig. Die Autobiographie
Aufbau Verlag, Berlin, 2017
ISBN 978-3-351-03684-3
538 Seiten