Sachbücher zu Gesellschaft, Kulturgeschichte, Geschichte und Autobiographien

Ronen Steinke
Der Muslim und die Jüdin

© Berlin Verlag, Berlin, 2017 Ronen Steinke: Der Muslim und die Jüdin © Berlin Verlag, Berlin, 2017Die Gestapo kam regelmäßig. Der ägyptische Arzt im vornehmen Berlin-Charlotten­burg schrieb 1943 zu häufig Zwangsarbeiter krank. Wenn die SS-Schergen herein­pol­ter­ten, besänftigte sie am Empfang die Muslimin Nadja. Dass sie ein Kopftuch trug und der Arzt ihr ein paar Worte auf Arabisch zurief, irritierte die Ge­heim­po­li­zisten nicht. Schließlich galten die Muslime den Nazis als potenzielle Verbündete gegen die Juden und die englischen Kolonisten am Nil. Doch die Arzthelferin ver­barg unter dem Kopftuch nicht nur ihr Haar, sondern ihr nacktes Leben. Denn Nadja war Anna, eine 17-jährige, von der Gestapo gesuchte Jüdin. (…)
Die Rettung der Anna Boros durch den Arzt und seine muslimischen Freunde mit all den Maskeraden, Urkundenfälschungen, Lügengespinsten könnte aus einem arabischen Märchen stammen, doch sie spielte mitten in Hitlers Berlin. Ein Menschenalter lang wusste von diesen todernsten Gaunerstücken, die das Überleben schrieb, nur ein kleiner Kreis von Nachkommen. Jetzt hat Ronen Steinke, Autor der SZ und einer exzellenten Biografie Fritz Bauers, die ferne Geschichte dem Leser mitreißend nahegebracht.

Christian Schmidt-Häuer: „Schleier als Tarnkappe“
© Die Zeit, 24. August 2017

Ronen Steinke
Der Muslim und die Jüdin
Berlin Verlag, Berlin, 2017
ISBN 978-3-8270-1351-4
208 Seiten


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