Sachbücher zu Gesellschaft, Kulturgeschichte, Geschichte und Autobiographien

Heinrich August Winkler
Zerbricht der Westen? Über die gegenwärtige Krise in Europa und Amerika

© C.H. Beck Verlag, München, 2017 Heinrich August Winkler: Zerbricht der Westen? Über die gegenwärtige Krise in Europa und Amerika © C.H. Beck Verlag, München, 2017Rund zwanzig Jahre seines wissenschaftlichen Lebens hat der Berliner Historiker Heinrich August Winkler diesem Thema gewidmet, zunächst dem "Langen Weg nach Westen", den die Deutschen gehen mussten. Dann machte er sich an eine vier­bän­di­ge Geschichte des Westens von der Antike bis in die Ge­gen­wart.
Doch kaum war der letzte Band veröffentlicht, da schien das "normative Projekt" in eine Krise gekommen: Die Europäische Union verlor an Anziehungskraft, die bisher so selbstverständlich wirkende Gemeinsamkeit von Demokratie, Liberalismus und Rechtsstaatlichkeit lockerte sich, die Einwanderungen stellten das Konzept der Nationen als Willensgemeinschaft auf die Probe, die europäisch-amerikanischen Beziehungen knirschen, der Ton der Auseinandersetzung wird aggressiver, der Respekt vor der Politik und damit die Wahlbeteiligung sinken. Und so sah sich Winkler gehalten, seinem Lebensprojekt ein weiteres Buch folgen zu lassen: Zerbricht der Westen?
Was den Autor seit je auszeichnet, das trägt auch diesmal: Er ist einfach ein guter Erzähler. Kurz rekapituliert er, was den Westen prägte: der Dualismus, zunächst zwischen geistlicher und weltlicher Macht, dann zwischen Monarchie und Repräsentation des Landes in den Vertretungen der Stände. Aus solch früher Gewaltenteilung bildet sich die eigentümliche Garantie persönlicher Freiheit und politischer Mitwirkung. Doch dann geht Winklers Darstellung fast unmerklich in die Schilderung der letzten Jahre über, und zwar in ziemlich strenger Chronologie.

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© Die Zeit, 7. September 2017

Heinrich August Winkler
Zerbricht der Westen? Über die gegenwärtige Krise in Europa und Amerika
C.H. Beck Verlag, München, 2017
ISBN 978-3-406-71173-2
493 Seiten


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