Götz Aly

Die Belasteten. „Euthanasie“ 1939-1945. Eine Gesellschaftsgeschichte

© S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2013Götz Aly: Die Belasteten. „Euthanasie“ 1939-1945. Eine Gesellschaftsgeschichte © S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2013 Götz Aly gilt in Historikerkreisen als gleichermaßen originell, inspiriert und schwierig. Er hat sich diesen Ruf mit Ausdauer und Verve erschrieben. Seine Texte leben von präzisen, oft neuen Fragen und Details, seiner anschaulichen Sprache, seinem Streben nach klaren Positionen, bisweilen von gezielter Provokation und süffisanter Polemik, namentlich gegen die Historikerzunft. Kein Wunder, dass viele hinblicken, sobald ein „neuer Aly“ erscheint. Auch mit seinem jüngsten Buch über die „Euthanasie“ - dem gezielten Mord an rund 200 000 hilflosen, unschuldigen Menschen im Zweiten Weltkrieg - enttäuscht er die Erwartungen nicht. Der Text ist plastisch formuliert und quillt vor Details, die Aly mit Reflexionen auf seine eigene Erfahrungsgeschichte verbindet, Seitenhiebe auf deutsche Zeitgeschichtsforscher inklusive. (…) Man findet Beschreibungen des medizinischen und psychiatrischen Denkens, der zeitgenössischen Diskurse und Auffassungen zur Rassenhygiene, zur Erbgesundheitspflege und dem generellen Kontext eines die „Ingenieurbarkeit“ des Menschen anstrebenden Zeitgeistes, verbunden mit Schilderungen des Mordalltags, ergreifenden Texten von Opfern und deren Angehörigen, dazu Namenslisten und Lebensläufe von Mördern und Betroffenen gleichermaßen. Dabei reicht Alys Blick auch über das Deutsche Reich hinaus bis in die eroberten Ostgebiete, aus denen er Beispiele für Krankenmord im Kontext von Kriegführung und Umsiedlungsplänen präsentiert.

Magnus Brechtken: „An die Namen der Ermordeten erinnern“
© Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. März 2013

Götz Aly
Die Belasteten. „Euthanasie“ 1939-1945. Eine Gesellschaftsgeschichte
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2013
ISBN 978-3-10-000429-1
Links zum Thema

Hörprobe   deutsch

(unterstützt von www.literaturport.de)