Öffentlichkeit. Die politische Form des Bewusstseins

Was verstehen wir unter „gesellschaftlicher Öffentlichkeit“? Gibt es sie in Europa wirklich erst seit dem siegreichen Kampf des Bürgertums gegen den Adel? Zwei Fragen, denen Volker Gerhardt in seinem neuen Buch „Öffentlichkeit. Die politische Form des Bewusstseins“ nachgeht – eine sowohl systematisch wie historisch durchgeführte Untersuchung des Begriffs Öffentlichkeit.Der Berliner Philosoph Volker Gerhardt beschreibt das Öffentliche als „bereits im Ursprung der bewussten Tätigkeit eines jeden Einzelnen sich öffnende Dimension“, die den Blick auf den Anderen und das Andere öffnet. Das Bewusstsein des einzelnen Menschen ist, so Gerhardt, „die erste und elementare Form der Öffentlichkeit“, bei der jeder Einzelne „gleichermaßen bei sich selbst und bei allen Anderen ist“. (...) Die gesellschaftliche Form von Öffentlichkeit, die den anthropologisch argumentierenden Autor interessiert, ist die politische Form, die ein gemeinsames Handeln Aller ermöglicht. Damit steht Gerhardt in Opposition zu Jürgen Habermas, für den „kritische Öffentlichkeit“ nur das Ergebnis eines auf Gründe verpflichteten und nach Regeln ablaufenden Diskurses sein kann. (…) Volker Gerhardt dagegen erklärt Partizipation zum grundlegenden Prinzip der Politik. „Es überführt die Selbstbestimmung von Einzelnen in die Mitbestimmung von Vielen, so dass die Aktivität der Gemeinschaft als deren Selbstbestimmung begriffen werden kann.“ Eine spannende Lektüre zu einem hochaktuellen Thema.
Gabrielle Hoffmann: „Der Einzelne und die Vielen“
© die tageszeitung, 29. Januar 2013
Volker Gerhardt
Öffentlichkeit. Die politische Form des Bewusstseins
C. H. Beck Verlag, München, 2012
ISBN 978-3-406-63303-4
Öffentlichkeit. Die politische Form des Bewusstseins
C. H. Beck Verlag, München, 2012
ISBN 978-3-406-63303-4









