Wilhelm Schmid

Unglücklich sein. Eine Ermutigung

© Insel Verlag, Berlin, 2012Wilhelm Schmid: Unglücklich sein. Eine Ermutigung © Insel Verlag, Berlin, 2012Seit einigen Jahren schon schreibt der Philosoph Wilhelm Schmid diese kleinen Lebenskunstratgeber, die sich nicht nur durch ihr manteltaschentaugliches Format wohltuend bescheiden ausnehmen gegen ihre (pseudo-)psychologischen Geschwister. „Unglücklich sein - Eine Ermutigung“ heißt der neue Schmid und warnt recht eigentlich vor der „Glückshysterie“, die jene verbreiten. Der Mensch, daran erinnert Wilhelm Schmid, könne nicht fortwährend glücklich sein, schon weil er Lust nur im Kontrast zum Schmerz empfinde und weil ein Dauerglück ähnlich dem Drogenrausch spätestens in der eigenen Ermattung enden würde. Nur wenn Unglücklichsein und Misslingen als Teile des eigenen wie fremden Daseins anerkannt würden, könne sich einstellen, was realistischer ist als Glück: die Fülle des Sinns. Stärker als früher scheint Wilhelm Schmid damit ein gesellschaftskritisches Moment zu betonen. Denn „die Dringlichkeit des Strebens nach Glück ist lediglich ein Indiz für die Verzweiflung, die die Entbehrung von Sinn hervorruft.“ (…) Positivdenken ist verlogen. Es diskriminiert die Unglücklichen. Und es delegitimiert jede Kritik an unglückerregenden Verhältnissen, wo diese tatsächlich berechtigt ist.

Michael Stallknecht: „Fülle des Sinns in leeren Gläsern“
© Süddeutsche Zeitung, 28. Januar 2013

Wilhelm Schmid
Unglücklich sein. Eine Ermutigung
Insel Verlag, Berlin, 2012
ISBN 978-3-458-17559-9
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