Gekaufte Zeit. Die vertagte Krise des demokratischen Kapitalismus

Die Krise hält Europa fest im Griff, und ein Ende scheint nicht in Sicht. Schwere und Dauer der ökonomischen Malaise erklären sich auch aus ihrem langen Vorlauf. Denn 2008 kulminierte eine Entwicklung, die mehr als drei Jahrzehnte zuvor eingesetzt hatte. Diese „Auflösung des demokratischen Kapitalismus“ untersucht der Kölner Soziologe Wolfgang Streeck, Direktor am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung, in einem faszinierenden neuen Buch. (...) Streeck zufolge ist Mitte der siebziger Jahre jener Gesellschaftsvertrag obsolet geworden, der im Westen bis dato eine allgemeine Prosperität ermöglicht hatte. Dann jedoch lahmte das Wachstum, das Kapital kündigte den Nachkriegskonsens auf, und die neoliberale Revolution begann. In dieser Situation fürchteten die Regierungen der USA und Europas um die Legitimität der Wirtschaftsordnung. Sie wollten Zeit gewinnen, erreichten dabei aber nie mehr als Aufschübe. All ihre Versuche endeten in kleineren Krisen und setzten die Hürde für den nächsten Anlauf höher. Und jedes Mal verloren die Bevölkerungen weitere soziale Rechte. (...) Man muss Streecks Skepsis nicht teilen, aber sie ist wohlbegründet. Seinem Buch sind viele Leser zu wünschen.Steffen Vogel: „Macht neben dem Souverän“
© die tageszeitung, 16. März 2013
Wolfgang Streeck
Gekaufte Zeit. Die vertagte Krise des demokratischen Kapitalismus
Suhrkamp Verlag, Berlin, 2013
ISBN 978-3-518-58592-4
Gekaufte Zeit. Die vertagte Krise des demokratischen Kapitalismus
Suhrkamp Verlag, Berlin, 2013
ISBN 978-3-518-58592-4
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