Sachbücher – Religion, Gesellschaft, Geschichte und Kulturgeschichte

Navid Kermani: Ungläubiges Staunen. Über das Christentum © C. H. Beck Verlag, München, 2015

Navid Kermani
Ungläubiges Staunen. Über das Christentum

Am Anfang war das Staunen. So lautet die Antwort der Vorsokratik auf die Frage nach dem Urimpuls des Philosophierens. Das Staunen steht aber auch am Beginn der Religion. Im Göttlichen findet der Gläubige das Gegenüber seiner Bewunderung. So ist schon der Titel von Navid Kermanis neuem Buch ein beziehungsreiches Spiel mit Grundfragen der menschlichen Existenz – und mit stereotypen Zuschreibungen: Wenn sich ein bekennender Muslim zum Räsonieren über das Christentum anschickt, dann kann dies nach herkömmlicher Lesart doch nur Anmaßung sein, die Anmaßung eines „Ungläubigen“. Beides ist falsch.Mehr ...
Victor Klemperer: Man möchte immer weinen und lachen in einem. Revolutionstagebuch 1919 © Aufbau Verlag Berlin, 2015

Victor Klemperer
Man möchte immer weinen und lachen in einem. Revolutionstagebuch 1919

Das Schreiben gehörte für Klemperer nicht nur zu seinem Beruf als Literaturwissenschaftler, es war beständiger Teil seines Alltags. Seine Tagebücher aus der Zeit des Nationalsozialismus sind ergreifende, einzigartige Dokumente über die Entrechtung und Verfolgung der Juden in Deutschland, über die Auswirkungen des Krieges auf die Bevölkerung und die geistfeindliche Politik der Hitlerregierung. Als der Aufbau-Verlag sie im Jahre 1995 veröffentlichte, entfaltete dieser verlegerische Kraftakt eine gewaltige Wirkung; der 2-Kilo-Doppelband wurde zum internationalen Bestseller. (...)Mehr ...
Ralf Konersmann: Die Unruhe der Welt © S. Fischer Verlag Frankfurt am Main, 2015

Ralf Konersmann
Die Unruhe der Welt

(…M)it der zweiten Vertreibung, dem Fluch "Rastlos und ruhelos wirst du auf der Erde sein", kommt die Unruhe endgültig als das Dasein durchdringende, Kultur und Zivilisation prägende Kraft in die Welt. Ralf Konersmann erzählt in seiner genealogischen Erkundung dieses Seinszustandes die biblische Geschichte nicht im Blick auf Schuld und Sühne, sondern im Blick auf ein Daseinsgefühl, das uns heute selbstverständlich erscheint. So selbstverständlich, dass sich die Frage gar nicht mehr stellt, warum Menschen Ruhe und Frieden aufgeben, um ihr Glück im tätigen Leben, in der Arbeit, der beständigen Veränderung zu suchen und die mögliche Welt mehr zu schätzen als die bestehende. (...)Mehr ...
Tilmann Lahme: Die Manns. Geschichte einer Familie © S. Fischer Verlag Frankfurt am Main, 2015

Tilmann Lahme
Die Manns. Geschichte einer Familie

"Man wird später Bücher über uns - nicht nur über einzelne von uns - schreiben": Das hielt im Sommer 1936 der älteste Sohn, Klaus Mann, in seinem Tagebuch fest. Später, das ist jetzt. (…)
Denn was jetzt vor uns liegt, ist eine Familiengeschichte, deren Stoff aus Ruhm und Ruhmsucht, Luxus, Neid, Verlogenheit, Exzess, Verachtung, Liebe und Verbitterung besteht. In den Selbstbespiegelungen der Beteiligten und ihrer ständigen Bereitschaft, den anderen und sich selbst etwas vorzumachen, weder die Geduld noch die Neutralität zu verlieren - das setzt einen Autor voraus, der ihnen ebenso zugewandt ist wie unwillig, sich seinerseits etwas vormachen zu lassen.Mehr ...
Neil MacGregor: Deutschland. Erinnerungen einer Nation © C.H. Beck Verlag München, 2015

Neil MacGregor
Deutschland. Erinnerungen einer Nation

Wieso ist das „Eiserne Kreuz“ ein Symbol der deutschen Seele? Und was hat Kant mit Biertrinken zu tun? Mit Antworten auf solche Fragen erzählt der Direktor des Britischen Museums in London die Geschichte Deutschlands auf eine völlig neue Weise. (...) Im Plauderton führt MacGregor von Karl dem Großen bis ins heutige Berlin, nicht historisch chronologisch, sondern in assoziativen Schlenkern, die sich an einzelnen Objekten festhakeln, die wiederum für Leitmotive und Eigenschaften des Deutschen stehen. Nicht „Deutschlands“, denn das bestand mehr als 1000 Jahre lang aus einem zersplitterten Kleinstaatengebilde. (…)Mehr ...
Karl-Heinz Meier-Braun: Einwanderung und Asyl: Die 101 wichtigsten Fragen © C. H. Beck Verlag, München, 2015

Karl-Heinz Meier-Braun
Einwanderung und Asyl: Die 101 wichtigsten Fragen

Als der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan 2004 vor dem EU-Parlament den Sacharow-Preis entgegennahm, machte er auf ein schlimmes Versäumnis europäischer Politik aufmerksam. Annan ermahnte die Volksvertreter, sich endlich für ein neues Migrationsmanagement einzusetzen. Eindrucksvoll erinnerte er an mangelnde Perspektiven vieler Migranten, an Grausamkeiten von Menschenschmuggel und die Gefährdung der Genfer Flüchtlingskonvention durch allzu restriktive Praktiken. „Diese stille Menschenrechtskrise“, so Annan, „beschämt unsere Welt“, wobei die Situation umso tragischer sei, als Europa dringend auf Einwanderer angewiesen sei.Mehr ...
Ulrich Menzel: Die Ordnung der Welt. Imperium oder Hegemonie in der Hierarchie der Staatenwelt © Suhrkamp Verlag Berlin, 2015

Ulrich Menzel
Die Ordnung der Welt
Imperium oder Hegemonie in der Hierarchie der Staatenwelt

Dem Braunschweiger Politikwissenschaftler Ulrich Menzel ist beides gelungen: der Entwurf einer Hierarchie der Staatenwelt sowie die Veranschaulichung und zugleich Überprüfung dieser Theorie an einer Fülle von Beispielen, die von der Song-Dynastie in China über das Osmanische Reich an der Gelenkstelle dreier Kontinente bis zu den Vereinigten Staaten in unseren Tagen reicht. Ein solches Unterfangen hat seinen Preis, und der besteht in einem Buchumfang von weit über tausend Seiten, der manchen Neugierigen von der Lektüre abhalten dürfte.Mehr ...
Bruno Preisendörfer: Als Deutschland noch nicht Deutschland war. Reise in die Goethezeit © Galiani Verlag Berlin, 2015

Bruno Preisendörfer
Als Deutschland noch nicht Deutschland war. Reise in die Goethezeit

Bruno Preisendörfer hat für die Goethezeit, ungefähr zwischen 1770 und 1830, mit viel Genuss nach allen möglichen Materialien und Quellen gefahndet, die nicht vom "Geist" handeln, sondern vom Alltag. Bei den ausufernden Briefwechseln, die in dieser Zeit fast alle Gefühle und Gespräche ersetzen mussten, kommt es ihm auf die unscheinbaren Stellen zwischen Treueschwüren, Freundschafts- und Liebesbekundungen an, in denen von Kleidung, Nahrung, Bettbezügen, Kerzen- und Wasserbeschaffung die Rede ist.Mehr ...
Andreas Rödder: 21.0. Eine kurze Geschichte der Gegenwart © C.H. Beck Verlag München, 2015

Andreas Rödder
21.0. Eine kurze Geschichte der Gegenwart

Das Vorhaben ist so ehrgeizig wie nur denkbar. Rödder hat sich nicht weniger vorgenommen als eine Darstellung unserer postmodernen Welt in den Anfängen des 21. Jahrhunderts, ihrer widersprüchlichen Tendenzen und ihrer atemberaubenden Veränderungen, die oft nur Fragen aufwerfen ohne beruhigende Gewissheiten. Die Perspektive ist global, der Focus aber naturgemäß stark auf den europäisch-atlantischen Kulturkreis bezogen. Auch das wie üblich seiner selbst unsichere, von den Geschichtsströmen überwältigte Deutschland wird in jedem Kapitel distanziert, eher entspannt, fröhlich, ja lässig und ganz unpolemisch als Fallbeispiel des phantastischen Umbruchs in allen Dimensionen vorgeführt.Mehr ...
Karl Schlögel: Entscheidung in Kiew. Ukrainische Lektionen © Carl Hanser Verlag München, 2015

Karl Schlögel
Entscheidung in Kiew. Ukrainische Lektionen

Das neue Ukraine-Buch von Karl Schlögel verdankt sich einem Trauma, das nicht nur die Gesellschaften Russlands und der Ukraine erschüttert, sondern auch die deutsche Expertenzunft. Russlands Annexion der Krim und die Installation rebellischer Volksrepubliken in der Ostukraine haben zwischen Russland und dem Westen einen Graben aufgerissen, der Familien spaltet, Russen sich als Ukrainer umdefinieren und hiesige Russland-Forscher an ihrem Objekt verzweifeln lässt. (…)
Donezk und andere ukrainische Städte hatten unter der Sowjetmacht und der deutschen Besatzung schon viel durchgemacht - die Ukraine entrichtete einen noch höheren Blutzoll als das russische "Bruderland" (…)Mehr ...