Lettland

Tschick

© Mag/EtöDiāna Smuška
Aufbruch zu einer Reise. Wolfgang Herrndorfs Roman Tschick
In: www.ubisunt.lu.lv, Universität Lettlands, 25.04.2014


© Jāņa Rozes apgādsWolfgang Herrndorfs Teenager-Roman Tschick behandelt ernste soziale Themen. Es geht um die Beziehung eines Jugendlichen zu seinen Eltern, für die ihr Kind nicht im Mittelpunkt steht und darum, wie sich ein 14-Jähriger im Klassenverband fühlt, wo er sowohl seitens seiner Mitschüler, als auch der Lehrer Zurückweisung erfährt. Doch dank des originellen Erzählstils bleibt der Leser nach der Lektüre nicht hoffnungslos traurig zurück. Tatsächlich ist das der Schlüssel des Erfolgs von Tschick: Der ernste Inhalt wird in komischer Form dargeboten. (...) Tschick ist ein Werk, das sicherlich von Jugendlichen gelesen werden kann. Im Unterschied zu anderen Romanen für eine jugendliche Leserschaft jedoch ist W. Herrndorfs Tschick auch für Eltern interessant, deren Kinder im Teenageralter sind. Erfreulich ist, dass Herrndorf ohne pädagogische Belehrungen mit erhobenem Zeigefinger auskommt. (...) Noch etwas lehrt uns dieser Roman: Das wichtigste ist die eigene Meinung, die sich durch einen Initiationsprozess bilden kann, in diesem Fall durch eine Reise ins Unbekannte mit einem gestohlenen Auto. Obwohl Maiks Vater seinem Sohn beigebracht hat, wie schlecht die Welt ist und dass man niemandem trauen kann, zieht Maik nach seiner abenteuerlichen Reise die gegensätzliche Schlussfolgerung: „Der Mensch ist schlecht. Und vielleicht stimmt das ja auch, und der Mensch war zu 99 Prozent schlecht. Aber das Seltsame war, dass Tschick und ich auf unserer Reise fast ausschließlich dem einen Prozent begegneten, das nicht schlecht war.” (S. 186-187) So ist das Leben.

Wolfgang Herrndorf
Čiks (Originaltitel: Tschick) Übersetzung: Māra Poļakova
Rīga : Jāņa Rozes apgāds, 2014
ISBN 9789984234670