Slowenien

Engel des Vergessens

© Mag/EtöMatej Bogataj
Der Himmel über Kärnten
In: www.mladina.si


© LiteraDer Roman beginnt wie eine Heimaterzählung, mit Beschreibungen alltäglicher altertümlicher Verrichtungen. Es erzählt die Enkelin, Geschichten, die ungelenk in Omas KZ-Notizbüchern festgehalten wurden.

Zeugenaussagen über großes Unrecht und sinnlose Opfer. Sinnlos, weil all das, weswegen man sich gegen die aufgedrängte Assimilierung wehrte, mit politischen Mitteln weitergeht, gerichtet ausgerechnet gegen jene, die mit ihrer eigenen Auflehnung gegen die Nazis die Eigenstaatlichkeit Österreichs ermöglicht haben. Alles jedoch zwecklos, die Apathie und Unfähigkeit, der Mehrheitsnation zu parieren.

Im Reservat eingepfercht, wie bei Handkes Immer noch Sturm, wo die Kärntner Slowenen mit Indianern verglichen werden, die sich apathisch mit bloßem Winken melden, eine Kulisse, lebende Museumsexponate.

Haderlap hat in diesen Erinnerungen eine fast verschwundene, bedrohte archaische Welt festgehalten, die stark von der Assimilation bedroht ist. Dass sie Gründe für ihren Fortbestand trotz der vernagelten und introvertierten Charaktere findet, ist keine Überraschung. Auch keine der Erfolg des Romans in der deutschsprachigen Welt – da scheinen Geschichten über Randgebiete mit Nazi-Resten, immer wieder gut anzukommen, diese Welt arbeitet noch an sich.

Maja Haderlap
Angel pozabe. (Originaltitel: Engel des Vergessens)
Übersetzt von: Štefan Vevar
Maribor : Litera ; Celovec : Drava, 2012
ISBN 9783854356851