Tschechien

1913. Sommer des Jahrhunderts

©‎ Park Konykiado
Jiří Peňás
Letní nebe před sto lety. (Der Sommerhimmel vor 100 Jahren)
In: Lidové noviny, 8.6.2013


©‎ HostFlorian Illies Geschichtspanorama des Jahres 1913 setzt sich aus über 500 Glossen und kleineren Erzählungen zusammen, die sich keineswegs nur mit den historischen Ereignissen, sondern vielmehr mit den Geschehnissen und dem Zustand der 'Beteiligten' - vor allem Persönlichkeiten aus der Welt der Kunst - jenes Jahres beschäftigen. Seine Technik des Schnittes, der Kontraste und des Paradoxen lässt ein abwechslungsreiches und eindrucksvolles Mosaik oder besser gesagt ein Gewebe entstehen, das sich auch dank der allgegenwärtigen Ironie wie ein guter, spannender Roman lesen lässt. (..)

Im Buch kommen Franz Kafka, Sigmund Freud, Heinrich und Thomas Mann oder auch Oskar Kokoschka vor, der in jenem Jahr leidenschaftlich Alma Mahler verfiel, die sich ihm zunächst hingab, ihn allerdings bald an der Nase herumführte und ihn auf ziemlich schonungslose Weisezu seinem Meisterwerk inspirierte. (..)

Auch Stalin, der sich zu Beginn des Jahres in Wien aufhielt, wo er sich mit Trotzky traf, ist ein Abschnitt gewidmet.(..) Bei einem Spaziergang durch den Park von Schönbrunn hätte er möglicherweise einen um elf Jahre jüngeren hageren Mann, der vom Verkauf seiner Aquarelle lebte und Wiens bereits überdrüssig war, antreffen können. (..)

Die politischen Ereignisse werden vom Autor eher am Rande erwähnt (..): Die andauernden Balkankriege, die sich letztendlich und unerwartet auf ganz Europa ausweiten, werden nur entfernt thematisiert und in Kontrast zu der Zivilisiertheit und friedliebenden Ordentlichkeit der miteinander verwandten Monarchien Europas gesetzt.

Florian Illies
1913 : léto jednoho století.
Originalsacht.: 1913. Der Sommer des Jahrhunderts.
Brno : Host, 2013.
Übers.: Tomáš Dimter
ISBN 978-80-7294-870-3