Tschechien

Vor dem Fest

Tereza Šimůnková
Saša Stanišić: Noc před oslavou (Vor dem Fest).
In: Iliteratura, 2. Juni 2016


Saša Stanišić: Noc před oslavou © LabyrintDie Nacht vor dem Fest durchschreiten viele Erzähler. Viele, die zugleich nur ein einziger sind. Hauptheld ist nämlich das Dorf Fürstenfelde, der Arsch der Welt, von ihr vergessen, und ebenso wie Gott und dem Rest des eben wiedervereinigten Deutschland, ein Granaten-Trichter, strategisch völlig unsinnig zwischen zwei Seen gelegen, als Symbol der kollektiven Gegenwart, und wie sich zeigen wird, auch der Vergangenheit. „Wir sind traurig, wir sind froh, richten wir, richten wir es an,“ stellt das Dorf sich selbst in einem eigenartigen Pluralis majestatis vor – und es ist die Majestät von etwas, was zu Ende geht.

(...)

Es fehlt nicht viel, und da wären keine Figuren, sondern ein Kuriositätenkabinett. Aber Stanišič ist zum Glück ironisch, aber nicht zynisch und betrachtet alle diese Menschen, Tiere und Dinge mit normalem, hinsichtlich des Zustands der Literatur und der Welt jedoch überraschendem Mitgefühl. „Der Haltungsschaden kommt davon, dass er lange Zeit vor den eigenen Fehlern auf den Knien gerutscht ist.“, oder „Sei heldisch zu deiner Erinnerung, indem du ehrlich zugibst, was gewesen ist. Sei heldisch und wisse: Helden können nicht immer Helden sein, es gibt auch sonst viel zu tun.“

Saša Stanišić
Noc před oslavou (Originaltitel: Vor dem Fest)
Übersetzung: Tomáš Dimter
Praha: Labyrint, 2016
ISBN: 978-80-87260-77-7