Der Wendehals: Eine Unterhaltung

Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1995, 125 Seiten
Als Fremde im eigenen Land, von der Geschichte verlassen und von der Gegenwart ausgestoßen – so laufen „Ich“ und „Er“ durch Berlin und schwadronieren, eher Kameraden des Schicksals als Antipoden eines Streits. Er, „Kollege Schaber“, ein alter Parteihengst aus der „Akademie der Wissenschaften“, wurde von der ominös allmächtigen „Kommission“ geprüft und abgewickelt. Nachdem er sich vergeblich bemüht hat, „dem Feind zu gefallen“, ist er nun in einer „Finanzakademie“ untergekrochen und läuft frisch gewendet als „Kaufmann des Ausverkaufs“ herum – ohne Ziel und Ideale, dafür mit verrenktem Hals. Das Erzähler-Ich dagegen, von der „zahlungsunfähigen Geschichte“ schmählich verraten, lebt moralisch einwandfrei als Arbeitsloser dahin; innerlich abgewickelt zwar, doch froh und zufrieden.
Volker Braun – Biografie
Reinhard Mohr: „Strassen-Talk-Show der Beleidigten“
© Die Tageszeitung, 15.04.1995













