Herbstfeste

Klett-Cotta, Stuttgart 1995, 160 Seiten
Brigitte Burmeister schreibt Parabeln auf den Sozialismus, als gäbe es sie noch, die Zensur. Als hätten die Schwenker der herkömmlichen Winkelelemente zur Wende noch immer das Sagen. Eben damit gelingt ihr der dialektische Kunstgriff: zu erzählen, warum sich das Volk zunächst schier lautlos und schon über eine ganze Ära hinweg vom offiziellen Ansinnen des Arbeiter- und Bauernstaates fortbewegt hat. […] Brigitte Burmeister provoziert Verständnis, indem sie sich in die Betroffenen hineinschreibt, deren Schrullen vor dem Zugriff der im nachhinein besserwisserischen, schematisierenden Öffentlichkeit schützt – hier tobt noch einmal der altbewährte Antagonismus zwischen subjektiver Befindlichkeit und objektiver Konsequenz. […] Herbstfeste (ein Anklang an die Novemberrevolutionen) feiern den Abschied von der DDR-Literatur. Das Niemandsland ist geortet.
Brigitte Burmeister – Biografie
Uta-Maria Heim: „Die Ortung des Niemandslandes. Abschied von der DDR-Literatur: Brigitte Burmeisters Erzählungsband 'Herbstfeste'.“
© Frankfurter Rundschau, 13.01.1996
Unter dem Namen Norma

Klett-Cotta, Stuttgart 1994, 286 Seiten
Brigitte Burmeister hält die Zeit in ihrem Roman Unter dem Namen Norma im Sommer 1992 an. Momentaufnahmen mit Rückblenden: ein Berliner Mietshaus in Mitte, schon etwas schäbig; eine Icherzählerin, schon etwas ramponiert, beschreibt am Beispiel von zwei langen Tagen dieses Jahres die Wandlungen: „vor drei Jahren ist die Ewigkeit zusammengebrochen, die Zeit seitdem entfesselt, und wir geistern durch die alten Räume und versichern uns, hier zu sein, als wüssten wir noch, wo das ist“, heißt es programmatisch. „Die Erinnerung wird so zum Archivar“, sagt Brigitte Burmeister, sowohl der Emotionen als auch der sinnlich greifbaren Dingwelt der DDR, von der fast nichts übriggeblieben ist.
Brigitte Burmeister - Biografie
Ursula Escherig: „Die Erinnerung, ein Archivar“
© Der Tagesspiegel, 31.08.1994













