Friedrich Christian Delius

Die Birnen von Ribbeck

Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1991, 80 Seiten

Delius ist zweierlei gelungen: Eine Phase in der Historie der Bundesrepublik so zu beschreiben, wie sie von den allermeisten erlebt wurde – nicht handelnd, sondern passiv, mit einer mulmigen Ahnung auf der einen Seite, mit einer vergeblichen Erinnerung auf der anderen. Dass diese vergebliche Erinnerung, gepaart mit einer wirren und hilflosen Hoffnung, mit Demütigung einhergeht, ist oft appellierend beschworen worden, aber nie so genau gezeigt. Und zum Zweiten hat der Autor mit diesem Text eine andere Einsicht zu Literatur gemacht: dass das Gedächtnis eines einzelnen der offiziellen Geschichtslogik Widerstand entgegensetzt. Der systematischen Betrachtung der Ereignisse, die rückschauend immer recht behält und darauf zielt, Kontinuität und Allgemeines zu behaupten, wo der Zufall Akteur und der Einzelne Opfer waren, hält Delius dieses Delirium der anderen Erinnerung entgegen.

Friedrich Christian Delius – Biografie

Elke Schmitter: „Das Flüchtige, das bleiben wird
© die tageszeitung, 14.06.1991

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