Unterwegs von Deutschland nach Deutschland. Tagebuch 1990
Steidl Verlag, Göttingen 2009, 256 Seiten
Am 1. Januar 1990 beschloss Günter Grass, gegen seine Gewohnheit ein Tagebuch zu schreiben, weil nach dem Fall der Mauer so Ungewöhnliches anstand, dass er sich in die Pflicht genommen fühlte. In immer neuen Anläufen wolle er die Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten überschreiten, schrieb er, und sich auch in die bevorstehenden Wahlen einmischen. Jetzt, zwanzig Jahre nach dem Mauerfall, legt er das Ergebnis seiner Pflichterfüllung vor. Nicht um frühere Irrtümer zu bekennen und das Ausbleiben der Katastrophe zu feiern, sondern um zu bezeugen, dass er recht hatte mit seinen Warnungen und unheilvollen Vorhersagen, damals und später und heute.
Günter Grass – Biografie
Monika Maron: „Die Unke hat geirrt. Günter Grass meinte zu wissen, was die Ostdeutschen wollen müssten. Zu seinem Tagebuch aus der Wendezeit“
© Süddeutsche Zeitung, 07.02.2009
Ein weites Feld
Steidl Verlag, Göttingen 1995, 784 Seiten
Was liest der wahre Ostler? Grass‘ Roman. Selbst die in dieser Zeitung geoffenbarte Erkenntnis, das Buch sei unlesbar, verfiel im Anschlussgebiet der Ausflucht: Das Schwarze sind die Buchstaben. Also schmökert der Osten, gründlich, bis zur letzten Zeile. Erst jetzt kommt er ans Ende, wogegen der Westen schon pünktlich zur Frankfurter Buchmesse damit fertig war, das Buch nicht zu lesen. DDR-Buchhändlerinnen, kommerziell besimmelt, preisen Ein weites Feld als den besten Grass seit dem letzten. Östliche Grass-Lesungen bersten. Die Buchpremiere in der Kulturbrauerei/Prenzlauer Berg gedieh zum Hochamt der Ostkultur. […] Sein Ost-Erfolg ist auch Deutschlands medialer Teilung geschuldet. Der expressive Westen erwartet von seinen Medien Aufklärung, Fakten, Information. Der introvertierte Osten wünscht den Blick auf sich selber. Man will vorkommen – warm beschrieben, stimmig im Detail. […] Da endlich spricht der Osten sein Wahlgeheimnis aus: Ich will so bleiben, wie ich bin. Grass, von oben: Du darfst!
Günter Grass – Biografie
Christoph Dieckmann: „Das letzte Westpaket. Günter Grass' deutsches Geschichtsbuch ‚Ein weites Feld‘ wird im Osten geliebt als Verteidigung des Lebens in der DDR“
© Die Zeit, 01.12.1995













