Nikolaikirche

Linden Verlag, Leipzig 1995, 516 Seiten
Erich Loests Roman Nikolaikirche skizziert in großem epischen Bogen den Zusammenbruch der DDR im Blick auf Leipzig. Aber der Rahmen ist weiter gesteckt, bezieht den Westen stark mit ein. Die Entspannungspolitik, die Westpresse, Sozialdemokratie und CDU sind immer mit von der Partie. Vor allem thematisiert Loest die westliche Wahrnehmungsschwäche gegenüber dem Verfall der DDR, legt sie frei als Wahrnehmungsverbot. In den Westmedien war keine ernsthafte Kritik am Status quo möglich; sie galt als Kalter Krieg. Loest leuchtet die Übergänge in den West/Ostbeziehungen aus. Er zeigt, wie Entspannungspolitik zu Appeasement verkommt, zu einer Realpolitik, die nur noch Wirtschaftsinteressen kennt und den Kotau vor dem sogenannten Faktischen. [...] Loest erzählt, wie gewaltloser Widerstand eine nach innen hochgerüstete Diktatur erschüttert und schließlich beiträgt zur ihrem Sturz.
Erich Loest – Biografie
Horst Domdey: „Helden müssen nicht sein. Zivilcourage bringt viel weiter“
© Der Tagesspiegel, 12.08.1995













