Herr Lehmann

Eichborn Berlin, Berlin 2001, 300 Seiten
In seinem Debütroman zeichnet Sven Regener, Jahrgang 1961 und Sänger der Band „Element of Crime“, die Welt nach, wie sie sich schemenhaft im Bewusstsein seines Helden niederschlägt. Dort manifestiert sie sich am liebsten als gewaltige Ruhestörung, als Hindernis auf dem Weg zum ersehnten Schlaf, das es zu umgehen gilt. Es ist eine kleine Welt – Lehmann verlässt nur ungern das enge Areal von Kreuzberg, und schon der Nachbarbezirk Neukölln ist ihm ein Graus. Lehmanns Kosmos bevölkern Kollegen, Kneipenbesitzer und -gäste, die sich einig sind im zähen Bestreben, keine Veränderung zuzulassen und die geübten Rituale gegen alle Anfechtungen von außen durchzuhalten. […] Dabei steht der große Umbruch unmittelbar bevor und vollzieht sich hinter den Kulissen bereits auf mehreren Ebenen, wenn auch unmerklich für Lehmann. […] Kein Zweifel, dass hier ein glänzender Wenderoman aus westlicher Sicht vorliegt, der ebendeshalb so überzeugt, weil die Ereignisse in der DDR im Bewusstsein der Hauptfigur, aus deren Perspektive durchgängig erzählt wird, nur in Spurenelementen vorkommen – um westliches Desinteresse darzustellen, so scheint es, hätte man kein besseres Milieu als Kreuzberg, keinen besseren Romanhelden als Lehmann wählen können. Das macht sich umso nachhaltiger bemerkbar, je näher die Handlung auf den neunten November 1989 zusteuert.
Sven Regener - Biografie
Tilman Spreckelsen: „Verwirrt, träge und verliebt“
© Süddeutsche Zeitung, 11.08.2001













