Der Turm

Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2008, 1000 Seiten
Wer die späten Jahre der DDR nicht erlebt hat, der weiß kaum, was es heißt, Zeit zu haben, sehr viel Zeit, und er ahnt vielleicht nicht, was für ein Fluch dies sein kann. […] Der Turm führt in eine unwirkliche, nicht ganz gegenwärtige Welt. […] Erzählt wird die Geschichte einer Familie von Bildungsbürgern, die zu unserem Bild vom Arbeiter- und Bauernstaat nicht recht passen. […]. Manches hat der Autor, Jahrgang 1968, selbst erlebt. Er war Panzerkommandant und hat als Arzt an einer unfallchirurgischen Klinik gearbeitet. Aber er erzählt nicht von innen, sondern wie ein Fremder, der verwundert Vergangenes vergegenwärtigt. […] Mit großem kompositorischen Geschick zwingt Tellkamp dem Leser seinen Rhythmus auf. Neben epischen Schilderungen stehen Briefe, vor allem des Soldaten Christian, Tagebucheinträge und Notizen Meno Rohdes und zahllose Gespräche, manche davon Virtuosenstücke der Stimmenimitation: die Gratulationsrede eines Arztes, Schriftstellergeplauder, sächsisches Sich-Schicken. Mit einem Doppelpunkt endet dieses
Meisterwerk: „ ... aber dann auf einmal ... schlugen die Uhren, schlugen den 9. November, ,Deutschland einig Vaterland‘, schlugen ans Brandenburger Tor:“.
Uwe Tellkamp – Biografie
Jens Bisky: „Aufruhr der Uhren. Zur rechten Zeit: Uwe Tellkamps großer Roman ,Der Turm‘ erzählt von den sieben letzten Jahren der DDR“
© Süddeutsche Zeitung, 13.09.2008













