Arbeitsstipendien für Übersetzer

Ein Projekt in Zusammenarbeit:




Die Kunst des Übersetzens.

Foto: Luc SaalfeldEin Abend mit Uwe Timm und seinen Übersetzern im Rahmen des Übersetzerresidenzprogramms des Goethe-Instituts

Seit Herbst 2009 stellt die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen ihre Stipendiatenwohnungen in Dresden-Hellerau für Arbeitsaufenthalte internationaler Übersetzer deutscher Literatur zur Verfügung. In Kooperation mit dem Goethe-Institut konnten sich 2011 fünf Stipendiaten in ruhiger, konzentrierter Atmosphäre ihren Übersetzungsprojekten von Günter Grass bis Andreas Maier widmen.

Foto: Luc Saalfeld
Von links: Matteo Galli, Alexandra Pavlou, Uwe Timm, Olaf Petersenn

„Es ist ein sehr schönes Programm für beide Seiten“, erklärt Angelica Gieske von der Kulturstiftung. „Wir haben regen Austausch mit den Stipendiaten und lernen viel über deren Projekte und Arbeitsweisen. Die Übersetzer wiederum schätzen die guten Arbeitsbedingungen und das kulturelle Angebot der Stadt Dresden.“

Um das Residenzprogramm stärker in die Öffentlichkeit zu tragen, fand am 5. Oktober 2011 im Dresdner Kulturhaus Loschwitz erstmals eine Diskussionsveranstaltung statt. Die griechische Übersetzerin Alexandra Pavlou, die gerade ihren Aufenthalt in Hellerau begonnen hatte, traf einen „ihrer“ Autoren, Uwe Timm. Als weiterer Gast sprach Matteo Galli, Uwe Timms italienischer Übersetzer und Professor für Deutsche Literatur an der Universität Ferrara, über die Schwierigkeiten, ausländische Verlage für deutsche Literatur zu begeistern, und welche entscheidende Rolle dabei den Übersetzern als Vermittlern zukommt.

Foto: Luc SaalfeldUwe Timm eröffnete den Abend mit einer Lesung aus seiner jüngst erschienenen Novelle „Freitisch“. Dank der sachkundigen Moderation von Olaf Petersenn, Timms Lektor beim Verlag Kiepenheuer & Witsch, erhielten die Zuhörer anschließend Einblicke in den Arbeitsalltag der Übersetzer. Wie überträgt man etwa den Titel „Die Entdeckung der Currywurst“? Matteo Galli entschied sich für eine Wortneuschöpfung und bereicherte das Italienische um „la currywurst“. Mit großem Bedauern erzählte Alexandra Pavlou, dass ihr griechischer Verleger eigenmächtig den Titel „Am Beispiel meines Bruders“ in „Mein Bruder, der Nazi“ abgeändert hatte, um Aufmerksamkeit zu erzielen. Man müsse einsehen, dass Übersetzungen ein Eigenleben führen, das vom Autor letztlich nicht zu steuern sei, meinte Uwe Timm. Generell habe er jedoch großes Glück mit seinen Übersetzern. Die Werke des Wahl-Münchners sind mittlerweile in ca. 20 Sprachen erschienen, darunter auch exotische wie z.B. Thailändisch.

Wie tiefgreifend die europäische Währungs- und Finanzkrise auch den Kulturbetrieb beeinflusst, wurde klar, als Alexandra Pavlou anmerkte, der Umsatz des griechischen Buchhandels sei seit Beginn der Krise um 70% eingebrochen. Nicht nur die Übersetzer benötigen neue Strategien, um ihre berufliche Existenz zu sichern. Auch die Unterstützung öffentlicher Förderinstitutionen bleibt wichtiger denn je.
Andreas Schmohl

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