Klassische Musik aus Deutschland – Aktuelle Tendenzen

Die Höhepunkte im Wagner-Jahr 2013



Leipzig, Dresden, München und Bayreuth: Vier deutsche Städte sind es vor allem, in denen Richard Wagner gelebt und gewirkt hat. Zu seinem 200. Geburtstag am 22. Mai 2013 wird Wagner als Komponist, Dirigent, Dichter, Musikschriftsteller und Regisseur aber nicht nur dort ausgiebig gefeiert.

Den Auftakt des Wagner-Jahrs macht in Berlin (05.01.2013) und Hamburg (13.01.2013) der selten gespielte frühe Rienzi, die letzte der ersten drei Opern Richard Wagners (1813–1883), die wohl nie im Bayreuther Festspielhaus aufgeführt werden. Später ziehen München (04.05.2013) und Frankfurt (17.05.2013) mit konzertanten Aufführungen nach – ebenso andere Städte wie etwa Leipzig (Premiere des szenischen Rienzi am 7. Juli in der Bayreuther Oberfrankenhalle). Hier, in der Geburtsstadt Wagners, zeichnet die Ausstellung Wagnerlust & Wagnerlast (13.03.–26.05.2013) sein Leben bis zum Höhe- und Endpunkt Bayreuth nach. Klänge aus dem mystischen Abgrund (17.05.2013–31.01.2014) stellt im Grassi-Musikinstrumentenmuseum nach Wagners Ideen entstandene Instrumente wie die Waldhorntuba, Basstrompete oder Altoboe vor. Ein neuer Ring wird in Leipzig ab Mai 2013 geschmiedet, im Herbst feiern das Musical Das Ding mit dem Ring (26.10.2013) und Das Liebesverbot (28.09.2013) Premiere. Diese musikalische Komödie nach Shakespeares Maß für Maß hat im Frühjahr auch Meiningen, die kleine Theater- und Kulturstadt in Südthüringen, im Spielplan. Darüber hinaus präsentiert das dortige Theater eine Neuinszenierung des Tristan. Im Festsaal der Wartburg im nahen Eisenach, der Inspiration für den zweiten Akt des Tannhäuser war, führt das Haus die Oper konzertant auf.

Wagner in Dresden

In Dresden war Wagner Sächsischer Hofkapellmeister, beteiligte sich im Mai 1849 aber auch am Volksaufstand und musste in die Schweiz fliehen. Wagner feierte in Dresden unterschiedlich große Erfolge mit den Uraufführungen von Rienzi, Der fliegende Holländer und Tannhäuser. Und hier ist der neue Wirkungsort des derzeit wohl renommiertesten Wagner-Dirigenten: Christian Thielemann. Zwei Geburtstagskonzerte dirigiert er am 18. und 21. Mai: Zum einen sind am Ort der Uraufführung – in der Frauenkirche – Das Liebesmahl der Apostel für Männerchor und Orchester sowie andere Chorwerke Wagners zu hören, zum anderen Ouvertüren und Szenen der Dresdner Uraufführungs-Opern mit dem charismatischen Tenor Jonas Kaufmann. Eine Ausstellung im Stadtmuseum (27.04.–25.08.2013) beleuchtet Richard Wagner in Dresden. Mythos und Geschichte.

Wagner in München

München war Uraufführungsort von Tristan und Isolde, Die Meistersinger von Nürnberg, Rheingold, Walküre und – posthum 1888 – der Erstlingsoper Die Feen. Denn hier traf Wagner 1864 seinen späteren Gönner, den 18-jährigen König Ludwig II. Die bayerische Landeshauptstadt eröffnet das Jubiläumsjahr mit einer konzertanten Aufführung des Liebesverbots (20.01.2013). Ein Symposium (25.–27.04.2013) widmet sich im Gartensaal des Prinzregententheaters – 1901 als Wagner-Festspielhaus in Konkurrenz zu Bayreuth eröffnet – Richard Wagner in München. Richard Wagner – Die Münchner Zeit (1864–1865) nennt sich entsprechend eine Ausstellung in der Bayerischen Staatsbibliothek (15.03.–28.05.2013). Sie zeigt vor allem Dokumente und Aufführungsmaterial zur Uraufführung des Tristan. Im Deutschen Theatermuseum beleuchtet eine Ausstellung zum Ring des Nibelungen die vielfältige Münchner Aufführungsgeschichte von Wagners Tetralogie von den Uraufführungen der ersten beiden Teile bis heute. Vorgestellt werden die wichtigsten Sänger und Dirigenten sowie die verschiedenen Inszenierungen mit ihren Regisseuren, Kostüm- und Bühnenbildern (22.05.–20.10.2013).

Wagner in Nürnberg

Nürnberg als historischer Schauplatz des Geschehens um Hans Sachs und die Meistersinger zeigt das Wechselspiel von historischem Vorbild und Oper in der Ausstellung WagnerSINGER – MEISTERsachs (17.01.–17.04.2013); die Originalpartitur der Meistersinger ist im Germanischen Nationalmuseum zu sehen (21.02.–02.06.2013). Im Gegensatz zum Münchner Uraufführungsort, der zwar alle großen Musikdramen, aber keine aktuelle Meistersinger-Inszenierung im Spielplan hat, gibt es in der Stadt der Originalschauplätze eine bereits bewährte Produktion von Wagners großer reifer Komödie zu sehen sowie den Tristan.

Wagner in Bayreuth

Bayreuth ist die Wagner-Stadt schlechthin: Hier finden jedes Jahr in dem nach den Entwürfen des Komponisten entstandenen Festspielhaus die Richard-Wagner-Festspiele statt, zu denen Wagnerianer aus aller Welt pilgern. Da das Haus Wahnfried, die ehemalige Villa Wagners, umfassend restauriert wird, kann in Bayreuth nur die Übernahme einer Lübecker Ausstellung zu Thomas Mann und Richard Wagner mit dem Titel Liebe ohne Glauben im Neuen Rathaus gezeigt werden (14.07.2013–28.08.2013). In Koproduktion mit Leipzig ist jedoch das musiktheatralische Frühwerk in der Oberfrankenhalle zu erleben (Feen, Liebesverbot, Rienzi). Sogar Leubald, das ausufernde Erstlingsdrama des 15-jährigen Richard, wird im Hof der traditionsreichen Klavierfabrik Steingraeber aufgeführt. Im Geburtstagskonzert am 22. Mai 2013 dirigiert Christian Thielemann im Festspielhaus unter anderem den ersten Aufzug der Walküre. Das Ring-Begleitprogramm umfasst Der Ring an einem Abend, Der Ring für zwei Klaviere, Der Ring als dreidimensionales Live-Hörspiel und Fritz Langs Nibelungen-Stummfilm mit Livemusik.
Klaus Kalchschmid
ist Musikjournalist unter anderem für die „Süddeutsche Zeitung“, „Die Welt“, den Bayerischen Rundfunk und das Magazin „Opernwelt“.

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Januar 2013

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