Regisseure des Kinder- und Jugendtheaters: Barbara Kölling

Biografie

Barbara Kölling © HELIOS Theater

Geboren 1963 in Wanne-Eickel. Nach dem Studium der Theaterwissenschaft, Philosophie und Pädagogik in Erlangen und Köln und ersten Schritten an staatlichen Theatern (u.a. als Regieassistentin am Westfälischen Landestheater Castrop-Rauxel und am Schauspiel Köln) gründete Barbara Kölling 1989 gemeinsam mit anderen Künstlern unterschiedlichster Sparten ein freies Theater: das HELIOS Theater, dessen Name auf die Straße zurück geht, in der es sein erstes Zuhause in Köln fand.

Hier verwirklichte Barbara Kölling Sparten übergreifende Arbeiten mit Tänzern , Schauspielern, Puppenspielern sowie bildenden Künstlern für Kinder aber auch Erwachsene. Als Folge entstanden nach einigen Inszenierungen literarischer Vorlagen immer mehr Eigenproduktionen und Stückentwicklungen. Diese Arbeitsweise prägt Köllings Inszenierungen bis heute. Als Regisseurin sammelt, sortiert, fokussiert und komponiert sie das Material, welches von allen an der Inszenierung beteiligten Künstlern produziert wird.

1997 folgte auf Einladung der Stadt Hamm der Umzug des Helios Theaters in die westfälische Provinz. Unter der künstlerischen Leitung von Barbara Kölling und Michael Lurse entwickelte sich das Helios Theater zu einer international bekannten Adresse für Kindertheater. So ist das Haus immer wieder Gastgeber für Symposien und Festivals und erhält für seine künstlerische Arbeit für und mit Kindern bundesweit Anerkennung: 1996, 2004 und 2005 erhielt das HELIOS Theater den Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen und wurde 2009 mit dem ASSITEJ Preis ausgezeichnet. 2011 wurde das Helios Theater für den George-Tabori-Preis nominiert und ist mit seinen Stücken regelmäßig zu Gast auf renommierten Festivals im In- und Ausland.

Barbara Kölling rief 2002 das internationalen Theaterfestivals „hellwach“ ins Leben und arbeitet seitdem als künstlerische Leitung konsequent an dessen Weiterentwicklung.

    Porträt

    Die 1963 geborene Regisseurin Barbara Kölling ist in der deutschen Kindertheaterszene als Pionierin in dem noch jungen Feld des Theater für die Allerkleinsten bekannt. Durch ihre Arbeit für und ihr Nachdenken über ein junges Theaterpublikum hat das Helios Theater, dessen Profil sie gemeinsam mit Michael Lurse als künstlerische Leitung prägt, sich zum Dreh- und Angelpunkt der Auseinandersetzung entwickelt.

    Barbara Kölling entwickelt seit 2007 neben Inszenierungen für Kinder und Jugendliche auch Stücke für die allerkleinsten Theaterbesucher ab zwei Jahren. Ihr Interesse an dieser Theaterform wurde durch die Rezeption europäischer Produktionen geweckt. Insbesondere die Auseinandersetzung mit philosophischen Fragestellungen in den Inszenierungen sprach ein bereits vorherrschendes Bedürfnis bei Barbara Kölling an: im Kindertheater wichtige und elementare Fragen für Jung und Alt zu bearbeiten. Sie selbst findet in Materialuntersuchungen die Möglichkeit die ganz Kleinen auf einfache aber nicht vereinfachende Art und Weise zu einer Erkundung vonelementaren Fragestellungeneinzuladen. Nach Holz („Holzklopfen“ 2008), Wasser („Ha zwei oohh“2010) und Papier ("Anfangen, anfangen" 2011) konfrontierte sie in ihrer jüngsten Inszenierung "Tongestalten" ihre Spielerin mit dem Material Ton. Aus der Konfrontation eines Schau- oder Puppenspielers mit einem Material und live dazu produzierter Musik entstehen Inszenierungen, die keine linearen Geschichten erzählen. In poetischen Bildern werden die unterschiedlichen Qualitäten des jeweiligen Materials sinnlich erfahrbar. Gleichzeitig werden den jungen Zuschauern und ihren erwachsenen Begleitern durch das Entstehen von erkennbaren Formen und figürlichen Erscheinungen assoziative Anknüpfungspunkte geboten. So entsteht Bedeutung ganz individuell: während manch ein Zuschauer die Beziehung der zwei Holzwesen verfolgt, erkennt ein anderer eine Evolutionsgeschichte.

    Für die jüngsten Zuschauer selbst ist jedoch oftmals der Kontakt zum Spieler wesentlich wichtiger als jeder Plot, wie Barbara Kölling berichtet: „Wir sollten den Mut haben uns in der künstlerischen Kommunikation mit ganz kleinen Menschen mit elementaren künstlerischen Fragen auseinanderzusetzen. In diesem Zusammenhang müssen wir die Frage nach dem Verhältnis der Spieler zum Zuschauer immer wieder neu stellen. Für das Theater kann das nur ein Gewinn sein.“

    Ihre intensive Reflexion des eigenen Tuns gilt nicht nur den künstlerischen Prozessen, sondern im Theater für die Allerkleinsten insbesondere auch den Rahmenbedingungen von Aufführungen und der Frage, wie diese den Besonderheiten der Altersstufe Rechnung tragen können. Das unroutinierte Zuschauerverhalten der Allerkleinsten macht gerade durch das Nichteinhalten konventionalisierte Verabredungen selbige sichtbar und hinterfragt dadurch implizit Sinn und Angemessenheit theatraler Konventionen. So macht Barbara Kölling sich Gedanken über das Davor und Danach einer Aufführung, das Ankommen im Theater und den Ausklang, denn sie begreift diese Situationen als Bestandteile der Inszenierung. Dieses Nachdenken findet immer wieder auch im Austausch mit anderen Theatermachern aus dem In- und europäischen Ausland statt: das Helios Theater lädt regelmäßig zu Symposien ein und ist Mitglied im europäischen Netzwerk für das Theater für die Allerkleinsten „small size“. U.a. für die Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern in dem Projekt „Theater von Anfang an!“ (2006-2008) hat das Helios Theater 2009 den ASSITJ Preis erhalten. In der Laudatio heißt es: „Der ASSITEJ Preis 2009 geht an das Helios Theater Hamm für seine für die gesamte Kinder- und Jugendtheaterszene – nicht nur in Nordrhein-Westfalen – vorbildhafte und prägende, innovative und theoretisch fundierte, regional und  international aufs Beste vernetzte Theaterarbeit.“

    Barbara Köllings Wunsch für die Zukunft lässt auf viele weitere spannende Arbeiten von ihr hoffen: „Ich wünsche mir einen langen Atem im Beobachten zu haben und in Ruhe weiterbauen zu können an diesem Raum in dem Große und Kleinste gemeinsam Kunst erleben.“

    Elisa Priester

    Inszenierungen (Auswahl)

    „Tongestalten“
    2011, Helios Theater, Hamm

    „Anfangen, anfangen“
    2011, Junges Staatstheater Braunschweig in Koproduktion mit dem Helios Theater

    „Ha zwei oohh“
    2010, Helios Theater in Koproduktion mit dem Mierscher Kulturhaus, Mersch, Luxemburg

    „Hand und Fuß“
    2010, Theater der jungen Generation, Dresden

    „Holzklopfen“
    2008, Helios Theater in Koproduktion mit dem Théâtre Jeune Public, Straßburg

    „O Himmel blau“
    2007, Helios Theater in Koproduktion mit Ania Michaelis, Berlin

    Nach einer Erzählung von James Aggrey „Vom Adler, der nicht fliegen wollte“
    2004, Helios Theater, Hamm

    „Aus dem Haus heraus“
    2003, Helios Theater, Hamm

    „Am Anfang war“
    1997, Helios Theater, Hamm

    „Jason oder der linke Propellerflügel ist kaputt“
    1995, Helios Theater, Köln