Regisseure des Kinder- und Jugendtheaters: Klaus Schumacher

Biografie

Klaus Schumacher © Kerstin Schomburg

Geboren 1965 in Unna. Er studierte angewandte Kulturwissenschaften an der Universität Hildesheim und gehörte zu den Mitgründern des Theaters »ASPIK«.

Von 1995 bis 2005 war er Mitglied des »moks«-Ensembles, der Kinder- und Jugendtheatersparte am Bremer Theater. Ab der Spielzeit 2000/2001 bis zum Ende der Spielzeit 2003/2004 war er künstlerischer Leiter des "moks". Seine dort entstandenen Inszenierungen von »Cyrano« und "Playback Life" zum Berliner Kinder- und Jugendtheatertreffen eingeladen. Zum Abschluss seiner Bremer Zeit wurden Klaus Schumacher und das Ensemble mit dem Kurt-Hübner-Preis ausgezeichnet. 2003 begann er mit "Kampf des Negers und der Hunde" von Bernard-Marie Koltès am Staatstheater Stuttgart auch an anderen Theatern und abseits des Kinder- und Jugendtheaters zu inszenieren. Es folgten Arbeiten am Schauspiel Hannover und am Schauspiel des Bremer Theaters sowie mit »Kasimir und Karoline« eine weitere Regie am Staatstheater Stuttgart. 2005 wird Klaus Schumacher Leiter der mit Beginn der Intendanz von Friedrich Schirmer neu gegründeten Sparte »Junges Schauspielhaus« am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Für seine Inszenierung von »Mutter Afrika« wurde er mit dem Hamburger Rolf-Mares-Preis ausgezeichnet. 2006 erhielt er den ersten Deutschen Theaterpreis »DER FAUST« als bester Kinder– und Jugendtheaterregisseur, 2010 den Preis der Stiftung „Bibel und Kultur“. Neben den Inszenierungen am Jungen Schauspielhaus inszeniert er seit 2007 auch regelmäßig auf der großen Bühne des Schauspielhauses. Er arbeitet zudem als Lehrbeauftragter an der Theaterakademie Hamburg.

    Porträt

    Erste Theatererfahrungen sammelte Klaus Schumacher beim Theater Aspik, einem Freien Theater, das er gemeinsam mit anderen Studenten der Hildesheimer Angewandten Theaterwissenschaft gründete. Aspik machte sich mit experimentellen Inszenierungen gern auch an theaterfernen Orten und der Verbindung von Film, Musik und Bildender Kunst schnell einen Namen in der niedersächsischen Freien Szene. 1995 ging Klaus Schumacher ans „moks“, der sehr unabhängigen Kinder- und Jugendtheatersparte des Bremer Theaters, wo er, zunächst als Schauspieler engagiert, nun regelmäßig Regien übernimmt.

    Kennzeichnend für seine Inszenierungen sind die Verwendung eines klaren Zeichensystems und der Wunsch große Themen möglichst vollständig zu erzählen. Dabei folgt er häufig filmischen Erzählweisen wie etwa in Lutz Hübners „Ehrensache“, einem Stück, dem ein authentischer Fall zugrunde liegt. Mit dem Medium Film setzte er sich als Autor und Regisseur in „Playback Life“ auseinander, das er zunächst in Bremen inszenierte und später in Hamburg wieder aufnahm. In dem er Life-Videoeinspielungen nicht als konträre Bebilderung sondern als intelligentes dramaturgisches Mittel einsetzt, gelingt ihm hier, die wirren Gefühlswelten Jugendlicher gegen die vorhersehbaren Emotionen Hollywoods zu setzen. Die Auflösung des 48-Stunden Videomarathons, dem sich die vier Jugendlichen im Stück aussetzen, folgt dann wiederum augenzwinkernd in der Dramaturgie eines B-Movies. Mit seinem ebenfalls in Bremen entstandenen „Cyrano“ ist ihm ein Gegenentwurf zum mehrfach verfilmten Stoff gelungen. Mit radikalen Strichen im Text und einer Inszenierung die ganz auf die Kraft der Schauspieler setzt, dringt Schumacher hier zum Kernthema vor, das ein zentrales Thema Heranwachsender ist: dem Gegensatz von äußerer und innerer Schönheit.

    Neue Lesarten für große Stoffe der Weltliteratur zu finden, ist der Antrieb für den Regisseur und Kinder- und Jugendtheaterleiter Klaus Schumacher. Dabei geht es ihm auch um Moral. Die Stiftung „Bibel und Kultur“ deren Preis er 2010 erhielt, schreibt über ihn: „ In seinem künstlerischen Wirken hat er sich um die Verbreitung christlicher Wertvorstellungen und humanistischer Ideale verdient gemacht.“ Zwei seiner wichtigsten Arbeiten „Mutter Afrika“, das die Geschichte der Sklaverei erzählt und die „Odyssee“ sind Stücke eines der wichtigsten niederländischen Autoren des Kinder- und Jugendtheaters, Ad de Bont. Mit ihm eine ihn die Liebe zu großen Geschichten, die Vergangenheit von der Gegenwart aus beleuchten und im positiven Sinne pathetisch seien, sagt Schumacher. Der alten Sage Homers werden zwei heutige Geschichten entgegengesetzt, die von der Suche nach Zugehörigkeit und Heimat von Kindern im Konflikt mit ihren Eltern handeln. Der entstandene vierstündige Theatermarathon ist ein für das jugendliche Publikum ungewöhnliches Format, wird von Schumacher aber dicht und auf die allzeitige Kraft der alten Geschichte vertrauend inszeniert.

    Auch im Kindertheater setzt er konsequent auf die Mittel des Sprechtheaters und die Spielfreude der Schauspieler, was bei der Bühnenbearbeitung von Andreas Steinhöfels „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ gerade von der Hamburger Kritik lobend festgestellt wurde. Auch wenn vor allem Klaus Schumachers Arbeiten für ein jugendliches Publikum mit Preisen und Festivaleinladungen geehrt wurden, ist er keineswegs auf diese Altersgruppe festgelegt. Besonderen Gewinn scheint er gerade aus dem steten Wechsel der Zielgruppen zu ziehen. Für die große Bühne hatte er bereits zwei erfolgreiche Shakespeare-Stücke inszeniert, als er einen Zugriff auf den „Hamlet“ fand, der den Klassiker für Jugendliche zu ihrem Stück machte. Jede Generation brauche ihren eigenen Hamlet, fordert Schumacher in einem Interview. Neben dem Beherrschen des Regiehandwerk liegt in dieser Aussage vielleicht der Grund für den Erfolg Schumachers: Im Respektieren und Einlassen auf die Menschen, die im Zuschauerraum sind. Egal welchen Alters sie sein mögen, sie sollen spüren, dass hier jemand über sie nachgedacht und für sie gearbeitet hat.

    Eckhard Mittelstädt

    Inszenierungen

    nach Max Eipp, Fassung Klaus Schumacher „Wut“
    2011, Junges Schauspielhaus Hamburg

    Andreas Steinhöfel „Rico, Oskar und die Tieferschatten“
    2011, Junges Schauspielhaus Hamburg

    William Shakespeare „Hamlet“
    2009, Junges Schauspielhaus Hamburg

    David Gieselmann und Klaus Schumacher „Louis und Louisa“
    2008, Junges Schauspielhaus Hamburg

    Paula Fünfeck „MaxundMurx“
    2008, Junges Schauspielhaus Hamburg

    Ad de Bont „Die Odyssee“
    2007, Junges Schauspielhaus Hamburg

    Lutz Hübner „Ehrensache“
    2006, Junges Schauspielhaus Hamburg

    Klaus Schumacher „Tags anders – nachts auch“
    2006, Junges Schauspielhaus Hamburg

    Ad de Bont „Mutter Afrika“
    2005, Junges Schauspielhaus Hamburg

    Paula Fünfeck „MaxundMurx“
    2005, MOKS am Bremer Theater

    Cornelia Funke „Tintenherz“
    2004, Schauspiel Hannover

    Klaus Schumacher „Playback Life“
    2004, MOKS am Bremer Theater

    Bernhard-Marie Koltès „Kampf des Negers und der Hunde“
    2003, Staatstheater Stuttgart

    Kristo Sagor „FSK 16“
    2003, MOKS am Bremer Theater

    Edmont Rostand „Cyrano“
    2002, MOKS am Bremer Theater

    nach Wolf Erlbruch „Die fürchterlichen Fünf“
    2002, MOKS am Bremer Theater

    Gertrud Pigor „Zwei Monster“
    2001, MOKS am Bremer Theater

    Kristo Sagor „Fremdeln“
    2001, MOKS am Bremer Theater

    Ad de Bont „Die Tochter des Ganovenkönigs“
    2000, MOKS am Bremer Theater

    MOKS- Ensemble „Die Papphornexpedition“
    1999, MOKS am Bremer Theater

    Klaus Schumacher „Scharf – Ein Lustspiel“
    1997, MOKS am Bremer Theater

    Roberto Frabetti „Die Reise einer Wolke“
    1996, Theater im Werftpark Kiel

    Günther Jankowiak „Bilsenkraut“
    1996, MOKS am Bremer Theater

    nach Janosch „Hallo Schiff Pyjamahose“
    1995, Theater im Werftpark, Kiel