Theaterstücke
- "Steinwald's"
UA Schauspiel Leipzig 1994 - "Drei Tage im Mai"
UA Wittenberger Kultursommer 1996 - "Das kalte Herz"
UA Theater Chemnitz 1996 - "Engel und Dämonen"
UA Wittenberger Kultursommer 1998 - "Nachtschwärmer"
UA Bühnen der Stadt Bielefeld 1999 - "Selbstportraits. 48 Details"
Schauspiel Bochum 2001
"Nachtschwärmer"
Nacht für Nacht verschwinden drei Schwestern aus ihrem Zimmer und liegen am nächsten Morgen mit zertanzten Schuhen im Bett. Der Vater hat Fenster und Türen verbarrikadiert, ein örtlicher Radiosender berichtet jeden Morgen live aus dem Schlafzimmer der Mädchen und setzt eine Belohnung aus für denjenigen Nacht-Wächter, der das Geheimnis der Schwestern lüftet. Doch die Wächter, von K.O.-Tropfen betäubt, wissen am Morgen von nichts zu berichten als von furchtbaren Kopfschmerzen, während die Schwestern wieder mit blutigen Füßen im Bett liegen. Bis sich ein arbeitsloser ehemaliger Grenzsoldat um den Job bewirbt, dessen Mantel kurioser Weise die magische Kraft gewinnt, ihn zum Verschwinden zu bringen. Er folgt den drei jungen Frauen in eine zauberhafte, zugleich bedrohliche Unterwelt, in der es einen Wald aus Gold und Silber, dunkle Seen, eine Seejungfrau, einen sprechenden Vogel und ein phantastisches Schloss gibt. Dort warten drei Prinzen auf sie, Männer mit düsterer Vergangenheit und einer geheimnisvollen Anziehungskraft. Sie sind Verbannte und werden nur erlöst, wenn die Mädchen mit ihnen durch die Nächte tanzen. Zwei mal noch, dann würden sie ihre Traumprinzen in die Oberwelt, ins Hier und Heute mitnehmen können. Doch der Spitzel zerstört diese Vision: Am nächsten Morgen, als die drei Schwestern wieder mit zertanzten Schuhen und Unschuldsmine im Bett liegen, verrät er ihr Geheimnis an den Vater und die Reporterin. Deren Versuch, aus der Sensation Kapital zu schlagen, schlägt fehl, der Zugang zur Unterwelt ist für immer verschüttet, aus der Traum. Die jungen Frauen flüchten in eine Bar, wo sich ihre tiefe Enttäuschung allmählich mit der Erkenntnis verbindet, dass auch die Oberwelt eine verlockende Perspektive für sie bereithalten mag.
Stimmen zum Stück
Thomas Oberender mischt in seinem sehr vielseitigen Text auf interessante Weise Märchenmotive mit einem heutigen Lebensgefühl. Das Grimmsche Märchen "Die zertanzten Schuhe" dient als Grundlage für die metaphernreiche, bildkräftige Darstellung eines pubertären Loslösungsprozesses dreier junger Mädchen von ihrem verständnisunfähigen Vater. Oberender entführt die Zuschauer in eine unterirdische Traumwelt, die beides sein kann: Königreich und Diskothek - und gleichzeitig Verkörperung des Unterbewussten. Dabei werden verschiedene Handlungsebenen geschickt verflochten und die klassischen und modernen Gestaltungselemente elegant verbunden. Besonders erwähnenswert erscheint uns der souveräne Umgang mit Sprache. Die Jury will mit der Wahl von "Nachtschwärmer" auch einen Anstoß zur Entwicklung und Umsetzung von komplexeren Theaterstücken für das deutschsprachige Jugendtheater geben, die die Lebensrealität junger Menschen auf solch ungewöhnliche Art und Weise darstellen.
(Aus der Begründung der Jury)
| Technische Daten | |
| Uraufführung | Theater der Stadt Bielefeld, 19.05.2000 |
| Regie | Regula Gerber |
| Personenzahl | 4 D, 4 H |
| Rechte |
Verlag der Autoren GmbH & Co. KG
Schleusenstr. 15 DE - 60327 Frankfurt/M. Telefon: +49 69 238574-20 (Theater) Telefax: +49 69 24277644 |
| Übersetzungen | keine |







