Neue Theaterstücke des Kinder- und Jugendtheaters

„Getürkt“ von Jörg Menke-Peitzmeyer

© BraxArt„Getürkt“ © BraxArt

Jörg Menke-Peitzmeyer wurde 1966 in Anröchte/Westfalen geboren. Von 1986-1990 studierte er Schauspiel an der Folkwang Hochschule in Essen. Engagements führten ihn nach Mainz, Gießen, an das Theater am Kurfürstendamm und das Schlossparktheater in Berlin, nach Stendal und Coburg. Am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig absolvierte er von 1998-2002 ein zweites Studium für dramatisches Schreiben, das er mit seinem Monolog "Der Manndecker" abschloss. Noch während des Studiums wurde das Stück uraufgeführt und liegt nun, ausgearbeitet, auch als Drehbuch vor. Es folgten Auftragsarbeiten für das Theater der Altmark Stendal, das Theater Freiberg, das Grips-Theater Berlin und das Schlosstheater Moers. Seit 2006 lebt er als freiberuflicher Autor und Schauspieler in Berlin.

Der 18jährige Musa erhält eines Tages einen Brief der deutschen Ausländerbehörde, in dem ihm mitgeteilt wird, dass er in Wirklichkeit kein Libanese, sondern ein Türke sei und somit unverzüglich das Land, die Bundesrepublik Deutschland, zu verlassen habe. Auf einen Schlag sieht Musa seine Existenz von gleich zwei Seiten in Frage gestellt: Zum einen von seinen Eltern, die ihm verschwiegen haben, dass sie die Wirren des libanesischen Bürgerkriegs in den 80er Jahren genutzt haben, um aus ihrer Heimat, der an den Libanon grenzenden türkischen Provinz Mardin ohne Pass und als vermeintliche Libanesen und damit politische Flüchtlinge nach Deutschland zu kommen, zum anderen von einem Völkerrecht, dass bei der Bestimmung der Identität eines Menschen nicht danach fragt, wo jemand geboren und aufgewachsen ist. „Getürkt“ konzentriert sich auf die existentielle Erschütterung eines jungen Menschen, für den von einem Tag auf den anderen nichts mehr ist, was es zu sein scheint. Es erzählt – in den Transiträumen von Abschiebegefängnissen, Flughäfen und Notunterkünften - von jemandem, der auf einmal nicht mehr sein darf, was er war, und der nicht sein will, was er (angeblich) ist.
(Theaterverlag Hofmann-Paul)


Jörg Menke-Peitzmeyer schildert den Zynismus und Wahnsinn der Geschichte einer Abschiebung. Mit sprachlicher Wucht zeichnet der Autor einen starken selbstbewussten Protagonisten, während er seine Gegenspieler vom Amt satirisch darstellt und die Absurdität des amtlich verordneten Identitätswechsels komisch zu spitzt. Er bietet aber keine Lösung an, sondern zeigt nur die Situation der Figuren und ihre Reaktionen darauf.
(Jury Deutscher Jugendpreis 2012)


Auszeichnung
2012 Deutschen Kinder- und Jugendtheaterpreis
Technische Daten
Uraufführung 05.10.2012, Theater BAAL novo, Theater über Grenzen, Offenburg. Koproduktion mit dem Theater Bonn
Regie Marita Ragonese
Personenzahl 1 Dame, 2 Herren
Altersempfehlung ab 15 Jahren
Rechte Theaterverlag Hofmann-Paul Berlin
Naumannstr. 24
10829 Berlin
Deutschland

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