Neue Theaterstücke des Kinder- und Jugendtheaters

„was innen geht“ von Anja Hilling

Anja Hilling, Jahrgang 1975, ist Absolventin des Studiengangs „Szenisches Schreiben“ an der Universität der Künste, Berlin, an der sie, nach abgeschlossenem Studium der Theaterwissenschaft und der Germanistik in München und Berlin, von 2002 bis 2006 studierte. Hier entstand auch ihr erstes Theaterstück, mit dem sie zum Stückemarkt des Berliner Theatertreffens 2003 eingeladen und dort mit dem Preis der Dresdner Bank für junge Dramatik ausgezeichnet wurde. Im September 2007 wird ihr Stück „Sinn“, das Anja Hilling für eine Koproduktion zwischen der Comédie de St. Etienne und dem Thalia Theater Hamburg schrieb, in französischer und deutscher Sprache inszeniert. Im Oktober 2007 wird „Schwarzes Tier Traurigkeit“, das als Auftragswerk für das Schauspiel Hannover entstand, dort in der Regie von Ingo Berk uraufgeführt. Anja Hilling lebt in Berlin.

Ovid ist vierzehn Jahre alt, hat eine Katze, drei Jeans und keine Chance. Er hat keine Brüder, keine Freunde und seit der Grundschule kein Auge mehr zugemacht. Nach der Schule gibt es kein Zuhause, nur ein Loch im vierzehnten Stock. Ovid lebt mit seiner Mutter in der Einzimmerwohnung eines Neubaus, hinter den Möbeln Schimmel, im Polster der Geruch von Schweiß, Fisch und Trockenfutter. Keiner hat seine Haare gekämmt, keiner seine Geburtstage gefeiert.
Ovids Haare sind schwarz und ölig wie das Schwarze Meer, wo sein Erzeuger herkommt, ein Erzeuger, der der Mutter den gemeinsamen Absturz prophezeite und es bei einer einzigen Nacht beließ. Die Mutter ist alleine abgestürzt und dem Heroin verfallen. Sie schläft mit dem Mann vom Jugendamt, der nach dem Rechten sieht, sie bemerkt nicht, dass ihr Sohn zerlegt wird, zerfällt und verschwindet.

Ovids Mitschüler jagen ihn, sie erpressen und missbrauchen ihn. Sie sehen Ovid an, als wäre er ein Tier. Ovids Fluchtort ist der Wald in seinem Hirn, seine Rettung sind die Metamorphosen. Er verwandelt die Haut, in der er leben muss, ändert seine Gestalt, sein Wesen, seine Macht, wird zu Vögeln, Bäumen, Blumen, Licht und Wasser. Aus Kälte, Grausamkeit und Mangel an Menschlichem in seinem Leben entwirft er, reich an Dynamik, eine organische Innenwelt, in der es sich aushalten lässt, und knallt doch im unabwendbaren Takt seines Lebens gegen die stoische Ignoranz der Mutter und die Peinigung durch die Mitschüler. Die Verwandlungen erlösen ihn, ohne ihn zu befreien, und obwohl die Welt ihm ins Gesicht spuckt, wütet eine Liebe in ihm, die am Ende explodiert und die Welt selbst verwandelt.
(Felix Bloch Erben)


„Woher die Sprachmacht? Woher die Eindringlichkeit der Gefühlsäußerungen des Protagonisten? Woher der Einfallsreichtum der Beschreibung von Gefühlsmomenten jenseits vulgärpsychologischer Gefühle? Woher der Rhythmus, der Druck, der Eifer, die aus Worten erwachsende Bildgewalt, mit der Anja Hilling ihren Ovid durch ein von Schicksalsschlägen geprägtes Leben jagen lässt? Woher die Kraft, die das Innerste, die vielfältigen einander widersprechenden, sich überlagernden emotionalen Ströme kund werden lässt? Woher? […]. Ein junger Mann und seine Grenzerfahrung – eine Grenzerfahrung auch für das zeitgenössische Theater und seine Bühnen. Eine Wucht an Text, eine Wucht an Lebensbeschreibung eines Jungen, eine Wucht an Sprache, Dichtung, Drama.“
(Begründung der Jury, Niederländisch-Deutsches Kinder- und Jugendtheaterfestival Kaas und Kappes)


Auszeichnungen
2013 Preis des Niederländisch-Deutschen Kinder- und Jugendtheaterfestivals Kaas und Kappes für „Was innen geht“
Technische Daten
Uraufführung Frei zur Uraufführung
Personenzahl 2-8 Darstellerinnen und Darsteller
Altersempfehlung Ein Stück für Jugendliche
Rechte Felix Bloch Erben GmbH & Co. KG
Verlag für Bühne, Film und Funk
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