Neue Theaterstücke des Kinder- und Jugendtheaters

„Jo im roten Kleid – Eine szenische Fantasie nach einem Bilderbuch von Jens Thiele“ von Heino Sellhorn, Nina Mattenklotz und Uwe Schade

© Theater Triebwerk„Jo im roten Kleid“ © Theater Triebwerk

Theater Triebwerk gründete sich 1995 als Erzähltheater-Gruppe in Hamburg. Die Gruppe ist eine Gemeinschaft von selbständigen Theaterschaffenden, die sich projektbezogen zur Erarbeitung von Konzeptionen und Inszenierungen zusammenfinden. Alle Mitglieder von Theater Triebwerk arbeiten auch in anderen künstlerischen Zusammenhängen, da die Gruppe über keine eigenen Räume oder regelmäßigen finanziellen Mittel verfügt. Theater Triebwerk arbeitet im Kollektiv und versucht einerseits über Projektgelder der Kulturbehörde Hamburg, andererseits über Koproduktionen mit anderen Theatern neue Projekte zu realisieren. Theater Triebwerk ist Mitglied der ASSITEJ Deutschland und von KITSZ e.V. Hamburg.
(Theater Triebwerk)


Dieser Junge ist vielleicht zehn Jahre alt, und als wenn es für ihn zwischen Schulhof und Elternhaus nicht schon kompliziert genug wäre – jetzt kommt auch noch etwas hinzu und ändert alles: sein Körper. Gerade noch war der einfach nur da. Eignete sich wie selbstverständlich für das Essen, Trinken, Lernen, Skateboard fahren, Fußball kicken, plötzlich aber (wann genau ist das eigentlich passiert?!) will dieser Körper was, und zwar etwas sehr Eigenes, wie es scheint. Beim Fußball fühlt er sich mit einem Mal unwohl, dafür sieht er sich jetzt gern im Spiegel. Ist das nun schon peinlich für einen Jungen? Bestimmt noch nicht. Aber was ist, wenn dieser Körper nun auch einmal das rote Kleid der Mutter an sich spüren will? Peinlich? Oder doch nicht?
Fragen, die wieder andere Fragen folgen lassen, ein Männerleben lang. Was ist männlich, wie viel braucht ein Mann davon, um als Mann zu gelten. Muss er das überhaupt, ist diese „Männlichkeit“ vielleicht doch nur noch eine Vokabel aus der Parfümwerbung?

Die Gruppe Heino N. Schade ließen sich von Jens Thieles gleichnamigem Bilderbuch zu eigenen Bildern, Texten und dramaturgischen Lösungen anregen. Schwulsein oder Nicht-Schwulsein, das ist hier nicht die Frage. Jedenfalls nicht die alles bestimmende. Die beiden Musiker und Schauspieler prüfen Lebenshaltungen. Wer wen liebt – wie schwierig die erste Antwort auch sein mag, sie löst nicht ein für alle Mal unsere Probleme, es wird noch schwieriger: Wie verhalte ich mich zu mir, wie zu anderen. Wie gerecht und fair muss ich sein, selbst zu meinen Feinden. Was habe ich in diesem Leben mit mir vor; darf ich Angst haben, ohne gleich feige zu sein. Bleibende Fragen, ganz egal, ob man nun weiblich oder männlich, erst zehn oder schon erwachsen ist. Schade und Sellhorn werden mit Lust und Humor grundsätzlich aber nie allgemein oder didaktisch. Das Thema ist ihnen zu groß, um es auf eine einzige Geschichte oder Botschaft zu verengen, sie erhalten seine Vielfalt durch die Mittel des Erzähltheaters und der Collage. Das gelingt, ohne statisch zu dozieren oder szenisch beliebig zu werden. Bass und Cello, Dialog, Harlekinade, direkte Publikumsansprache und sogar Grönemeyer als Moritatengesang – Uwe Schade und Heino Sellhorn verfügen über viele Mittel, um auf leichte Art schwierig zu werden.
(Oliver Bukowski, Mülheim, Mai 2013)


Auszeichnungen
2013 Nominiert für den Mülheimer KinderStückePreis „Jo im roten Kleid“
Technische Daten
Uraufführung 18.10.2012 Theater Triebwerk Hamburg/ Hannover
Regie Nina Mattenklotz
Personenzahl 2 Musiker/ Darsteller
Altersempfehlung Ab 10 Jahren
Rechte Peter Hammer Verlag, Wuppertal
Postfach 20 09 63
42209 Wuppertal
Deutschland

Tel.: +49 / (0)202 / 50 50 66 67
Fax.: +49 / (0)202 / 50 92 52

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