Neue Theaterstücke des Kinder- und Jugendtheaters

„Als wäre ich Papier“ von Daniela Dröscher

„Als wäre ich Papier“ © Theater Speyer

Daniela Dröscher wurde 1977 in München geboren. Sie lebt in Berlin, schreibt Prosa, Essays und Theaterstücke. Seit 2008 Studiengang Szenisches Schreiben bei UniT Graz und Stipendiatin der Autorenwerkstatt Prosa 2008 des LCB.
Im August 2009 erschien ihr erster Roman „Die Lichter des George Psalmanazar“ im Berlin Verlag. Im Herbst 2010 folgte der Erzählband „Gloria“. Es folgten weitere Texte für das Theater, u.a. das Jugendstück „Als wäre ich Papier“ sowie eine Neufassung von „Madame Bovary“, die sie gemeinsam mit Christian Weise schrieb.


Daniela Dröscher skizziert in „Als wäre ich Papier“ mit poetischer Sprache ein schnelles, starkes Jugendstück, dessen Protagonistin ihr gesamtes Umfeld in Atem hält. Liz will, daß die Dinge für immer sind. Und sie hat die trotzige Kraft, sich dem Erwachsenwerden zu entziehen.
Liz ist das kleinste von vier Geschwistern, die ihre Kindheit miteinander verbringen. Spielen, ein altes Haus entdecken, Pfannkuchen backen, einen Wohnwagen haben, in dem die Waschbecken den Erwachsenen an die Knie reichen. Irgendwann sind die Betten und Waschbecken zu klein, die Kinder sind herausgewachsen. Und Liz, die Kleinste, tobt, daß sie nicht groß werden will. Sie wird immer 15 bleiben. Oder nicht?
Was passiert an diesem Tag am See? Liz ist alleine dort hingegangen, wollte eislaufen und hat einem Jungen das Leben gerettet. Dieser Junge wird sich später eine Kugel in den Kopf schießen. Er bringt sich um: „Das Leben ist schön“, schreibt er zum Schluß, „aber die Welt ist schlecht“. Liz verinnerlicht den Satz und zieht ihre Schlüsse. Sie nimmt ihrer Schwester Ruby zwar nicht den Freund weg, so wie Ruby das fürchtet. Aber sie nimmt alle anderen Jungen.
Als Liz noch kleiner ist, da spielt sie in der Schule „Pünktchen und Anton“. Sie ist das Pünktchen, Bruder Vinc ihr Anton. Liz ist wunderschön, sie strahlt, scheint leicht wie Papier. Später wird die Mutter sagen: „Es hätte der Himmel werden sollen, aber es ist die Hölle geworden.“ Der Vater hat die Familie verlassen, und keiner hat es richtig gemerkt. Liz nimmt Drogen, klaut, braucht Geld, verschwindet nächtelang, da hilft kein Hausarrest mehr. „Was ist mit dir?“ fragt Vinc. „Nichts“, sagt Liz, „ich bin nur jung, das ist alles.“
„Als wäre ich Papier“ ist ein Jugendstück um ein Mädchen, das Grenzen sucht. Drogen nimmt und den Rausch liebt. „Sie haben keine Ahnung, was es heißt, jung zu sein“, sagt Liz.
(schaefersphilippen)


Jemand übernimmt die Mutterrolle, jemand verweigert, mitzumachen, jemand gibt Liebe, weil die anderen das nicht können. Und jemand verschwindet.
Das Stück ist eine philosophische Komposition für vier Stimmen. Mit großer Präzision wird Liz´ Geschichte entfaltet. Warum nimmt jemand Drogen? Ist es wirklich nicht zu vermeiden? Was ist Hilfe? Wann gibt man, was ist richtig, wann ist etwas zuviel? Weil große Themen in diesem Stück angelegt sind, die aber nicht schwer auf uns zu kommen, ist es ein wichtiger und vor allem liebevoller Text. Jeder Jugendliche wird sich auf irgendeine Weise darin wiedererkennen. Weil die existentielle Fragen des Lebens für jeden gelten. Weil die Drogenproblematik nicht als Klischee dargestellt wird, quasi nebenbei läuft. Weil das Stück Zärtlichkeit und Zweifel verbindet.
Aufwachsen bedeutet Streit, Einsamkeit und viele viele Fragen. ‘Als wäre ich Papier’ gibt keine eindeutige Antwort, zeigt aber mit Leichtigkeit, Kraft und Präzision, wo es lang geht… und wo es schief laufen kann, wenn man einen Moment nicht aufpasst.
(Begründung der Jury, Niederländisch-deutsches Kinder- und Jugendtheaterfestival Kaas & Kappes 2011)



Auszeichnungen
Gewinner des Autorenwettbewerbs „Wortschatz Rheinland-Pfalz“

3. Preis des Niederländisch-deutschen Kinder- und Jugendtheaterfestivals Kaas & Kappes
Technische Daten
Uraufführung 12.3.2011, Kinder- und Jugendtheater Speyer
Regie Matthias Folz
Personenzahl 3 Damen, 1 Herr
Altersempfehlung ab 14 Jahren
Rechte schaefersphilippen
Übersetzungen Theaterbibliothek