Neue Theaterstücke des Kinder- und Jugendtheaters

„Die besseren Wälder“ von Martin Baltscheit

„Die besseren Wälder“ © Colourbox.com

Martin Baltscheit wurde am 16. September 1965 in Düsseldorf geboren. Er studierte Kommunikationsdesign in Essen. Von 1986-1992 war er Mitglied des Theaters “Junges Ensemble Düsseldorf”. Er zeichnete zunächst Comics, danach widmete er sich vor allem dem Schreiben und Illustrieren von Bilderbüchern. Außerdem entstanden zahlreiche Hörspiele und Trickfilme.

Martin Baltscheits Stück „Die besseren Wälder“ ist ein modernes Märchen um die aktuellen Fragen nach kultureller Identität. Ferdinand ist ein Wolf, der bei den Schafen aufwächst. Als seine Freundin tot aufgefunden wird, gerät er unter Verdacht. Ferdinand flieht zu den Wölfen. Aber die klugen Wölfe wollen gerne 'Schafe' sein: warme Heizdecken, schicke Kleider, Krankenversicherung... Dass ihr Leben hart ist, machen sie zur Tugend, zur Tradition. Schließlich findet Ferdinand bei einer Gans, die behauptet, ein Fuchs zu sein, und einem Bär, der eine Biene ist, Freunde, die in der Selbstverständlichkeit, mit der sie sind, wer sie sein wollen, auf die Frage nach Identität individuelle Antworten gefunden haben. Das Fazit dieser Entwicklungs- und Coming-of-Age-Geschichte lautet: „Es kommt nicht darauf an, wo du herkommst, sondern darauf, wo du hingehst und mit wem.“

Ausgestoßen sucht Ferdinand Anschluss an eine Wolfssippe und versucht ein Leben als Wolf zu führen. Doch in beiden Welten stößt er an starre Vorstellungen. Er kann und will seine Identität nicht verleugnen. In ihm vereinen sich verschiedene Kulturen, so konträr sie auch scheinen mögen. Mit grafischer Plastizität und dramatischem Gespür hat Baltscheit eine Entwicklungsgeschichte mit vielschichtigen Deutungsmöglichkeiten geschrieben. Gekonnt kleidet der Autor Fragen nach dem 'wir hier drinnen, ihr da draußen' in eine Tierparabel und würzt das Ganze mit seinem scharfen, ernsthaften Humor. Die Jury des Deutschen Jugendtheaterpreises 2010 zeichnet mit "Die besseren Wälder" eine starke und relevante Geschichte aus, die von überzeugenden Einzelschicksalen ausgehend, über das Indviduelle hinausweist und sich dabei nicht vor Überzeichnung und Komik scheut.
(Jurybegründung, Deutscher Jugendtheaterpreis)


Auszeichnungen
Deutscher Jugendtheaterpreis 2010

Aufgenommen in den Stückepool von Kaas & Kappes 2010
Technische Daten
Uraufführung 30.03.2012, GRIPS Theater Berlin
Regie Robert Neumann
Personenzahl 2 Damen, 3 Herren
Altersempfehlung ab 12 Jahren
Rechte Verlag für Kindertheater Weitendorf GmbH
Übersetzungen Theaterbibliothek