Neue Theaterstücke des Kinder- und Jugendtheaters

„Ohne Moos nix los“ von Jörg Isermeyer

„Ohne Moos nix los“ © davidbaltzerbildbuehne.de

Jörg Isermeyer wurde 1968 in Bad Segeberg geboren und zog vor seinem Studium der Psychologie, Soziologie und Pädagogik als Straßenmusiker durch Europa. Nach dem Studienabschluss folgte ein Lehrauftrag für Improvisations-und Straßentheater an der Georg-August-Universität Göttingen. Heute lebt Jörg Isermeyer als freischaffender Künstler in Berlin und arbeitet als Autor, Theaterpädagoge, Regisseur, Schauspieler, Musiker und Komponist. Dabei betreut er unter anderem Theatergruppen im Strafvollzug und gibt Straßentheater-Workshops im In- und Ausland.

Die wachsende Kluft zwischen armen und reichen Kindern in Deutschland war 2009 Thema des Autoren-Wettbewerbs Berliner Kindertheaterpreis, für den Jörg Isermeyer das Stück „Ohne Moos nix los“ geschrieben hat. Der Alltag der Familie Wolff steht unter schlechten Sternen. Vom abwesenden Vater kommt kein Unterhalt, das Amt verweigert Zuschüsse und die alleinerziehende Mutter plagt sich als Kassiererin mit Überstunden. Nur selten ist sie daheim. Kein Wunder, dass die elfjährige Jule sich da nicht wohlfühlt und in ihre eigene Welt flieht: Am liebsten verbringt sie ihre Zeit auf der Straße und erfindet Geschichten zu Passanten, denen sie heimlich quer durch die Stadt folgt – sogar dann, wenn sie in der Schule sein müsste. Doch die Schule ist für das Mädchen ebenfalls kein Paradies. Zum Glück kann ihr großer Bruder Tim großartig Entschuldigungsschreiben fälschen, auch wenn er sonst nichts auf die Reihe kriegt.
Ganz anders bei Lukas: Sein Leben verläuft in geordneten Bahnen, Geldnöte kennt er nicht und die Schule ist für ihn ein Leichtes. Nur manchmal nervt seine Mutter. Aus Langeweile beamt er sich ins Star-Wars-Universum. Als er Jule auf einer ihrer Verfolgungsjagden trifft, lässt er sich zögernd auf ihr "Straßenkino" ein und zieht mit ihr durch die Stadt. Gemeinsam kommen sie dabei einer Bande von Fahrraddieben auf die Schliche. Die beiden sehen sich schon als echte Krimi-Helden, als Tim am Ort des Geschehens auftaucht – mit einem gestohlenen Bike. Und plötzlich ist das Spiel vorbei und im Hause Wolff auch ohne Moos mächtig viel los ...
(Verlag Felix Bloch Erben GmbH & Co. KG)


Jörg Isermeyer fächert hier sehr differenziert die Folgen von Kinderarmut und prekären Lebenssituationen auf. Und er zeigt, dass es, neben dem Mangel an materiellen Dingen, vor allem an Zuwendung und Fürsorge fehlt. Es ist ihm auf beeindruckende Weise gelungen, die Komplexität des Themas in einer spannenden Geschichte und mit einem sicheren Gespür für Situationskomik zu verdichten. Und das, ohne allzu simple Lösungen anbieten zu wollen.
(Werner Mink, KinderStücke-Preis 2011)


Auszeichnungen
Berliner Kindertheaterpreis 2009

Berliner Kindertheaterpreis 2009
Technische Daten
Uraufführung 27.10.2010, GRIPS Theater Berlin
Regie Yüksel Yolcu
Personenzahl 2 Damen, 3 Herren
Altersempfehlung ab 9 Jahren
Rechte Felix Bloch Erben GmbH & Co. KG
Übersetzungen Theaterbibliothek