Neue Theaterstücke des Kinder- und Jugendtheaters

„Schneeschuhhasen im Glas“ von Charlotte Luise Fechner

„Schneeschuhhasen im Glas“ © Colourbox.com

Charlotte Luise Fechner wurde 1979 in Berlin geboren und studierte Englische Literatur und Theaterwissenschaft in London. Seit 2002 lebt und arbeitet sie in Köln als freie Autorin, Übersetzerin, Schauspieldozentin und Online-Autorin/Redakteurin. Sie ist in freien Theater- und Kurzfilmprojekten tätig und leitete von 2004 bis 2008 das Kurzfilmfestival in Leverkusen. 2010 war sie Werkstattstipendiatin der Jürgen-Ponto-Stiftung. Sie arbeitet u. a. an ihrem Debüt-Roman, Theatertexten und als Schauspieldozentin und Online-Autorin/Redakteurin.

1978 erblickte zum ersten Mal ein humanes Retortenkind das Licht der Welt. Was man damals noch für ein Wunder hielt, gehört heute zum Alltag: seither sind 3,7 Millionen – das entspricht in etwa der Einwohnerzahl Melbournes – durch künstliche Befruchtung außerhalb des Mutterleibs gezeugte Kinder dazugekommen. Und jährlich werden es ungefähr 200.000 mehr.
2010 erhielt der „Vater“ jenes ersten Kindes – ein Mädchen – den Nobelpreis für Medizin; am 7. Juli 2011 hat der Bundestag über die Gesetzesregelung zur Präimplantationsdiagnostik entschieden und diese eingeschränkt zugelassen: bislang war Deutschland eines von nur drei europäischen Ländern, in denen diese nicht zugelassen.
Sie, die „gemacht worden“ ist, unternimmt einen gewagten Versuch: Weil ihr bester Freund Alex ihr kein Sperma abgeben und ihre Gynäkologin ihr weder Eier entnehmen noch isolieren wollte, hat sie erst Papas Kreditkarte geklaut und sich dann ihre ‚Zutaten’ im Internet bestellt, um herauszufinden, „wie das so geht / wo man herkommt / wie sich das so anfühlt und das so aussieht im Glas und bei der Teilung / und wenn dann Meiose stattfindet“.


Inhaltlich gelingt es der Autorin Charlotte Fechner, vor dem Hintergrund der aberwitzigen Ausgangssituation ein quasi philosophisches Essay über Leben und Herrschaft, Schöpfung und Demut zu entwickeln, aber auch über Bildungsinhalte und Funktion von Schule. Durch das Einstreuen von alltäglichen Teenager-Erfahrungen bleibt sie jedoch immer auf der Augenhöhe des jugendlichen Publikums, welches sie ernstnimmt und dessen praktische Lebenstüchtigkeit sie offenbar hoch einschätzt.
Die Sprache ist kunstvoll gesetzt und unterstreicht fortwährend die hintersinnige Bedeutung der scheinbar leicht dahergeplapperten Worte durch Auslassungen. Dadurch entsteht ein monologischer Mega-Satz über die großen Fragen der Zeit, der sich auch vor ratlosen Pausen über die Länge von bis zu einer halben Seite nicht scheut, eine Ratlosigkeit, die sich übertragen und fruchtbare Diskussionen im Publikum anregen kann.
(Begründung der Jury, Niederländisch-Deutsches Kinder- und Jugendtheaterfestival Kaas und Kappes)


Auszeichnungen
3. Preis des Niederländisch-Deutschen Kinder- und Jugendtheaterfestivals Kaas und Kappes 2011

Eingeladen zum Frankfurter Autorenforum für Kinder- und Jugendtheater 2011
Technische Daten
Uraufführung frei
Personenzahl 1 Dame
Rechte kein Verlag