Neue Theaterstücke des Kinder- und Jugendtheaters

„Über die Grenze ist es nur ein Schritt“ von Michael Müller

„Über die Grenze ist es nur ein Schritt“ © Oliver Fantitsch

Michael Müller wurde 1959 in Lübeck geboren, absolvierte zunächst ein Kunst- und Politikstudium an der Universität Hildesheim sowie anschließend den Aufbaustudiengang Theaterpädagogik in Remscheid. Ab 1991 war er als Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Bildung am Deutschen Schauspielhaus Hamburg tätig bevor er 2000 unter Intendant Tom Stromberg Dramaturg für "Junges Theater" wurde. Zur Zeit ist Michael Müller Dramaturg/Autor und Projektkoordinator Theaterpädagogik am Jungen Schauspielhaus in Hamburg.

In seinem Stück „Über die Grenze ist es nur ein Schritt" lenkt Michael Müller den Blick auf das persönliche Erleben des jungen Afrikaners Dede Afful und zeichnet anhand seiner Geschichte ein Schicksal nach, das sinnbildlich für viele Migranten stehen kann.
Kurz vor seinem Abitur erfährt der Afrikaner Dede, dass sein illegaler Aufenthalt in Deutschland aufgeflogen ist. Seit fünf Jahren lebt er mittlerweile hier, besucht mit seiner Schwester Benedicta die gleiche Schule, seine Mutter arbeitet schwarz - er hat eine neue Heimat gefunden. Dedes beste Freundin Melle geht mit ihm in die gleiche Klasse. Als heraus kommt, dass sich seine Familie illegal in Deutschland aufhält, wird seine Mutter verhaftet und Dede muss fliehen. Doch was ist mit seiner Schwester? Ein letztes Mal macht er Halt an seiner Schule, um Benedicta zu suchen.
Als er sie jedoch nicht finden kann, macht er sich auf die Suche nach seiner besten Freundin - und landet in einer falschen Klasse. In seiner Verzweiflung beginnt er, den Kindern die Geschichte seiner Familie zu erzählen. Er bezieht sie mit ein, in die Geschichte seines Lebens und hofft auf die Mithilfe der Schulkinder.
Ein Stück, das emotional aufzeigt, wie letzten Endes doch jeder Mensch auf der Suche nach demselben ist: Identität, Heimat, Zukunft.
(Theaterstückverlag)


Mit "Über die Grenze ist es nur ein Schritt" wird ein sprachlich dichtes Stück gewürdigt, das eine hochdramatische Geschichte erzählt, die dennoch komische Elemente enthält. Mit hoher Präzision und ohne falsche Betroffenheit schildert Müller die Not eines jugendlichen afrikanischen Flüchtlings und schafft es, diese Not im deutschen Alltag zu verankern. Auch die Verstrickung eines deutschen Mädchens in die Angst ihres Freundes wird überzeugend und genau geschildert. Die außergewöhnliche, dem Text eingeschriebene Szenerie -ein auf Schulhöfen geparkter Bus- ist für Müllers Text mehr als eine Bühne, er ist Ort der Gefahr, in der sich alle befinden, auch die Zuschauer.
(Begründung der Jury, KinderStücke 2011)


Auszeichnungen
Mülheimer KinderStückePreis 2011

Nominiert für den Deutschen Jugendtheaterpreis 2010
Technische Daten
Uraufführung 14.01.2011 im Utopia-Mobil-Bus, Schauspielhaus Hamburg
Regie Johan Heß
Personenzahl 1 Dame, 1 Herr, mobiles Stück für Busse, Klassenzimmer und Studiobühnen
Altersempfehlung ab 10 Jahren
Rechte Verlag der Autoren
Übersetzungen Theaterbibliothek