Stücke

Helges Leben

Expeditionen ins Menschenreich, in die Welt einer ausgestorbenen Gattung. Im Jahr 2004 ist es soweit: Die Tiere haben alle guten Eigenschaften der Menschheit (Gentechnologie, Internet etc.) weiterentwickelt, die schlechten (eine ganze Menge) abgeschafft und den Machtwechsel vollzogen. Zu ihrem Vergnügen - für Theateraufführungen zum Beispiel oder als Anschauungsmaterial für den Vorfahrenzoo - können sie sich bei Frau Gott "normale kleine Menschenleben" als "Pay-per-view" ins Haus bestellen. Heute Abend steht Helge auf ihrem Programm. Im Zeitraffer spult sich seine Biographie von der Wiege bis zur Bahre ab. Wie gleich bei seiner Geburt Frau Gott und Tod streiten, ob sich der Aufwand lohnt, weil Helges Leben sowieso erbärmlich sein wird. Wie seine Eltern ihn vernachlässigen und die Mitschüler ihn hänseln. Wie ihn von klein auf die Angst begleitet und sein Leben mit ihren Warnungen und Zweifeln sabotiert. Wie er Tina und deren Angst trifft, sie heiratet, die zwei ein Kind bekommen und sich wieder trennen. Wie Helge sterbend und allein im Krankenhaus liegt und sich fragt, ob es das jetzt gewesen sein soll.
Eine Fabel mit verkehrten Vorzeichen, von den Tieren kopfschüttelnd kommentiert. Wie konnten sich diese merkwürdigen Wesen überhaupt so lange auf der Erde halten? Wieso blieb ihr Leben vor lauter Lebensangst so ungelebt? Denn Glück und Erfüllung scheitern für Helge nicht an schweren Schicksalsschlägen oder ähnlich einschneidenden Ereignissen, sondern erschreckend banal am fehlenden Mut zu Entscheidungen, an Lieblosigkeit und Dumpfheit.
(Rowohlt Theater Verlag)

Stimmen zum Stück:

Von der Wiege bis zur Bahre in 100 Minuten und der Beweis, dass so ein Leben klein, schäbig, billig und dabei sehr unterhaltsam sein kann. (...) Was sich an Respekt vor der menschlichen Gattung aus unerfindlichen Gründen ins 21. Jahrhundert hinübergerettet hat, darf man danach guten Gewissens als erledigt betrachten. Das "schöne Theaterstück von Frau Berg" (Untertitel) mit Niklaus Helbling am Regiepult zeigt ganz nebenbei, wie sich mit der guten alten Zivilisationskritik, wenn man sie nur unernst genug nimmt, die gemeinsten Scherze treiben lassen. Nicht dass "Helges Leben" also neue Sinnräume aufschlösse, Perspektiven wiese oder dem Bochumer Theater deshalb Adlerflügel wüchsen. Aber wenn schon sein Leben vergeuden - dann so!
(Franz Wille, im Katalog der Mülheimer Theatertage)

Technische Daten

Uraufführung Schauspielhaus Bochum, Oktober 2000
Regie Niklaus Helbling
Personenzahl 6 D, 5 H, Grunddekoration
Rechte Rowohlt Theater Verlag
Hamburgerstraße 17
21465 Reinbek bei Hamburg
Tel. 040/ 72 72 270, Fax 040/ 72 72 276
theater@rowohlt.de
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