Stücke

Die Kontrakte des Kaufmanns

„Mit »Die Kontrakte des Kaufmanns« taucht Jelinek ein in die Welt der entfesselten Finanzströme. Ausgehend von österreichischen Wirtschaftsskandalen der vergangenen Jahre führt die unnachgiebige Aufklärerin Jelinek die Spekulationswut der Banker und Manager vor. Wie stets ist die Wirklichkeit aber nur Startrampe zum kunstvollen Spiel der maßlosen Übertreibung und oft komödiantischen Verzerrung. Denn Jelinek zeigt Getriebene. Rauschhaft ist deren Lust am Verschieben nicht vorhandener Werte, die sich immer wieder von neuem anstachelt, nicht zuletzt an der Gier der Kleinanleger nach unablässig wachsender Rendite. Aber die Blase ist geplatzt, auch wenn sie das nicht wahrhaben wollen. Die Stunde hat geschlagen, und die Geschichtsschreibung, d.h. bei Jelinek der Sprachnotstand setzt ein. Denn sie haben nur ihre Sprache, um die eigene Haut zu retten. Und unschuldig ist hier niemand. Gerade dass immer der andere der Verantwortliche und man selbst das Opfer gewesen sein soll, verrät die eigene Verstrickung.“
(Schauspiel Köln)
Stimmen zum Stück:
„Jelineks Opus magnum mit seinen weit mehr als hundert Seiten Fließtext ist Essay, Analyse, Anklage, Spott und Spiel. Mal Hasstirade, mal Wehgesang, mal Publikumsbeschimpfung und, na klar, auch redundante Dauerschleife. Jelinek ist unermüdlich und unnachgiebig. Ihr typisches Stilmittel, die Sprache assoziativ in immer neue Pirouetten hineinzudrehen, wird hier zum kongenialen Prinzip. Es legt jene Widersprüche frei, die schon semantisch in unserer Sprache liegen und denen nachzuspüren ein kabarettistisch-intellektuelles Vergnügen ist: Inwiefern dient eine „Gesellschaft“ auch der Gesellschaft ? Und es legte jene Widersprüche frei, die in der sache selber liegen: was ist das für eine Welt, in der man „Forderungen“ handelt, die man nicht einfordern kann ? Die exzessive Wortspirale, bis manchmal nur mehr eine kalauernde Worthülle bleibt (…) ist nichts Geringeres als die Spiegelung eines Banken-, Immobilien- und Kreditsystems, hinter dem am Ende auch nur hohle Werte zum Vorschein kommen.“
(Vasco Boenisch in Theater der Zeit, Juni 2009)


„In ihrem Work-in-progress-Stück „Die Kontrakte des Kaufmanns“ legt sie (ElfriedeJelinek, Anm. Red.) Klein-anlegern, Börsen-Daddlern und Bürgermeistern lange Monologe in den Mund, welche Naivität, Skrupellosigkeit, Zynismus, Systemgehorsam und andere Wahrheiten der Geldbehandlung beschreiben. In ihrem mäandernden Stil aus Klugheit und Kalauern, Analyse und Attacke entsteht so ein stetig von ihr weiter geschriebenes Tagebuch der Systementlarvung, das bereits an vielen Theatern als Inszenierungs-Fundus benutzt wurde.“
(Till Briegleb, Mülheimer Theatertage 2010)
Technische Daten:
Uraufführung 16.04.2009, Schauspiel Köln; 2.10.2009, Thalia Theater Hamburg
Regisseur Nicolas Stemann
Personenzahl variabel
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