Fritz Kater

WE ARE CAMERA/jasonmaterial

"Das dritte Stück der Heimat-Trilogie von Fritz Kater ist die Geschichte einer Flucht, bzw. die Geschichte einer Familien-Entführung - eine sehr private Familiengeschichte und zugleich eine sehr deutsche Polit-Geschichte.

Das Stück kreist um ein Familientrauma: den 31. Dezember 1969, eine Silvesternacht in einem Hotel in Finnland. Station einer Flucht aus Westdeutschland nach Ostdeutschland. Ernst, der Vater ist Spion der DDR in der BRD, mit seiner Familie reist er nach Finnland, um sich dort seiner Frau aufzudecken und ihr zu sagen, dass er sie und die beiden Kinder - Mirco und Sonja - mitnehmen wird in die DDR. In dieser Nacht betrügt Paula ihren Mann mit der fünften Figur des Stückes - einem Hotelpagen, eine irreale Theaterfigur (der Autor nennt ihn superman/konterganskinhead, multiple persönlichkeit).

Fritz Kater erzählt von dieser Nacht, lässt durch seine Protagonisten erzählen von dieser Nacht und wie das Leben weiterging im Osten - bis zu dem Tod des Vaters 1992, nach dem endgültigen Ende seiner Utopien, seiner Hoffnungen. Das Erwachsenwerden der Kinder, ihre Verweigerung, ihr Aufbegehren, das Scheitern des Vaters, sein Alkoholismus, seine erzwungene Dissidenz. Filmische Rückblenden, Doppelungen der Kindheit des Vaters im Krieg mit den Kindheiten von Mirco: eine sehr enge, private Geschichte spiegelt deutsche Geschichte, vom Zweiten Weltkrieg bis zum Ende der Geschichte nach 1989."
(Thalia Theater Hamburg)

Stimmen zum Stück:

"Fritz Katers neues Stück ‚WE ARE CAMERA/jasonmaterial kommt wie ein Agententhriller daher und ist doch sehr viel mehr: Ehetragödie, Pubertätsdrama und Erinnerungsspiel. Ein Deutschlandbild als Familienpuzzle. Der Großteil der fragmentarischen Handlung trägt sich Silvester 1969 in einem Hotel in Helsinki zu. Dazwischen: Zeitsprünge, Schnappschüsse, szenische Polaroids. März 1975, Dezember 1981, Herbst 1992. Momentaufnahmen wie aus einem Familienalbum. (…) ‚so dich beim filmen filmen/eine camera die dich selbst verstehen lernen will/auf der suche nach den dingen die du bist' - das ist das Motto, nach dem Fritz Kater in diesem Stück verfährt. Es ist ein Umkreisen von Existenz, ein Switchen und Zappen durch die Dinge des Lebens, eine postdramatische Gratwanderung zwischen Reality-Soap, Mythos und Melodram. Wie alle Kater-Stücke ist auch dieses in einer lakonisch knappen, rhythmisch schnellen Sprache geschrieben, es enthält epische und poetische Passagen, Brüche und Lücken, die Raum lassen für Fragen - und für den Nachhall von Welt."
(Christine Dössel in: Programm der Mülheimer Theatertage 2004)

"Mit diesem dritten Teil hat Fritz Kater (…) seiner DDR-Trilogie das geheimnisvollste, glamouröseste und vermutlich autobiographischste Stück hinzugefügt. (…) Mit der finnischen Neujahrsnacht rückt ‚WE ARE CAMERA/jasonmaterial' einen sehr konkreten Schwellenmoment vor die Erinnerungslinsen seiner Spielfiguren. Das geschieht in zumeist knappen, scharf geschnittenen Szenen, die zwischen Silvester 1969, dem späteren DDR-Alltag sowie zwei, drei Szenen nach dem Mauerfall hin- und herspringen. (…) Dialoge, die einer lakonischen Wirklichkeit abgelauscht scheinen (…) stehen neben Szenen, in denen mit den Figuren auch ihre Sprache abzuheben scheint."
( Eva Behrendt in: Theater heute, 2/2004)

Technische Daten

Uraufführung 6.12.2003, Thalia Theater Hamburg
Regie Armin Petras
Personenzahl 3 D, 4 H
Rechte henschel SCHAUSPIEL Theaterverlag GmbH
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