Stücke

zeit zu lieben zeit zu sterben

Frei nach Motiven des Films "Time stands still" von Pétér Gothár

Das zweite Stück der DDR-Trilogie Katers erzählt vom Erwachsenwerden im Kommunismus unter Honecker. 1. Teil, "eine jugend/chor": Sex and drugs and Rock'n Roll in den 70ern. Erinnerungsfetzen an eine Jugend in der DDR. Welche hat die schönsten Brüste? Wer verträgt am meisten? Wo sind die Grenzen? Am Rande passiert Flucht, Verrat, Tod. - Die Liebe und der Horizont werden weit, die Perspektiven eng. Der erste chorische Teil des Stücks erzählt von Unbeschwertheit, von hoffnungsvollen Ausschweifungen, die mit der ernüchternden Einberufung enden. 2. Teil, "ein alter film/die gruppe": Eine Familiengeschichte im Zeitraffer. Der Onkel kommt nach Jahren heraus aus dem Knast, ersetzt der Frau den Mann und ihren halbstarken Söhnen den Vater, der Ende der 60er rübermachte in den Westen. Der Onkel hat abgeschworen und könnte Karriere machen. Nie den Helden spielen heißt seine Lektion für die Brüder. Ein Schulfreund revoltiert - aber sie halten sich zurück, auch in der Liebe. Erst als der jüngere der beiden seinem Vater folgen will, verliebt er sich. Er bleibt. Sieben Jahre später ist er Soldat und seine Flamme schwanger vom verhaßten Lehrer. 3. Teil, "eine liebe /zwei menschen": Nach dem Mauerfall. Ein Mann, Vater und Ehemann, allein in einer Stadt, die er nur zum arbeiten aufgesucht hat, verliebt sich in eine Kantinenbedienung, eine Mulattin. Beginn einer wüsten Beziehung. Schnell beginnt er zu fürchten, ihr nicht zu genügen. Gezielt fügen sie einander Wunden zu. Wutausbrüche, Reisen, Trennungen, Neuanfänge - bis sie gesteht, dass sie immer einen anderen liebte. Fritz Katers Stück handelt von der Liebe in Zeiten gesellschaftlichen Stillstandes. Subjektiver Ton, filmischer Dialog, dichte Prosa. Über die drei eigenständigen Teile des Stückes spannt sich ein Bogen, der vom Sterben größerer Träume und der Ankunft in einer einsamen Gegenwart erzählt.
(henschel SCHAUSPIEL)

Fritz Kater, der eigentlich Armin Petras heißt - unter diesem Namen hat der sein Stück auch inszeniert -, erzählt vom Erwachsenwerden in der DDR, von Brüchen und Umbrüchen, von kleinen Tragödien und großen Sehnsüchten, von der ganzen Palette, die Leben heißt. Er erzählt das alles schnell, lakonisch und grell und kann noch nicht verhehlen, dass in ihm auch ein großer Romantiker steckt.

Stimmen zum Stück:

"Was sich so unendlich trivial, schwitzend, herzig klein, flach und flackernd anhört, wird durch die dichte Sprache des Autors scharf konturiert, groß und tief und klar. Aber auch glühend und schmerzend herzergreifend. Fritz Kater hat die seltene , bewundernswerte Gabe, mit nur wenigen Worten wie Sprechblasen im Comic ganze Komödien und Tragödien aufblitzem zu lassen. Und beiläufig zeigt er eine der betörendsten Liebesgeschichten im jüngsten Theater. Und obendrein das seit Jahren wohl Überzeugendste vom Aufbruch einer - zufällig ostdeutschen - Jugend ins Leben. Katers Lakonie feiert ein fantastisch weit schwingendes Hohelied. Weit hinaus über den Horizont, der die Welt der anfassbaren Dinge, der dokumentierbaren Tatsachen begrenzt. So werden aus Stichworten und Klischees unversehens Figuren mit Schicksal; verwirrt sich das Menschelnde mit dem,…, Menschheitlichen. Das nächste Erstbeste, Unsägliche verschränkt sich mit dem Letzten, Unsagbaren."
(Reinhard Wengierek, in: Die Welt, 23.09.2002)

"Fritz Kater…erzählt von einer Generation zwischen Stillstand und Aufbruch, von großen Sehnsüchten und kleinen Tragödien. Der Text hat ein atemloses Tempo. Er ist ohne Punkt und Komma in einem schnellen, kunstvollen Stakkato geschrieben, mit knappen Dialogen und prosaischen Erzählpassagen. Wörtliche Rede, Szenenkommentare und Regieanweisungen wechseln in einem fort… . Fritz Kater beschwört den Mikrokosmos des Ostens und läßt darin doch eine ganze Welt erstehen"
(Christine Dössel, Programmheft der Mülheimer Theatertage 2003)

Technische Daten

Uraufführung 6.12.2003, Thalia Theater Hamburg
Regie Armin Petras
Personenzahl variabel
Rechte henschel SCHAUSPIEL Theaterverlag GmbH
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