Rebekka Kricheldorf

Prinzessin Nicoletta

"Eine junge Prinzessin und ein alter König, ein Prinz auf Brautschau und eine eifersüchtige Tante - Rebekka Kricheldorf hat den Archetypen eine Biografie verpasst und sie in Begleitung ihres Dienstpersonals, gewappnet mit diversen Zitaten ("Leonce und Lena" lassen grüßen) lustvoll-ironisch in ein schauriges Märchen für Erwachsene verstrickt:
Durch die Verheiratung der Tochter Nicoletta mit Kronprinz Omo aus dem mächtigen Nachbarreich will König Phillip den maroden Hofstaat sanieren. Auch seine geile Schwester und Königinmörderin Leonore wittert da neue Entfaltungsmöglichkeiten. Doch Nicoletta sperrt sich. Betört von einem Bratapfel (!) ist sie dem Gesindekoch Moritz verfallen. Der allerdings zieht dralle Bauerndirnen vor. Auch Änne, eine frustrierte Gouvernante, die verschwörerisch zur Palastrevolte aufstachelt, kann bei dem Koch nicht landen. Andererseits will Omo, vergeblich getrimmt vom Großwesir seines Vaters, nicht einsehen, daß diese Hochzeit vor allem ein politischer Akt ist. So gravierende Verstöße gegen gesellschaftliche Spielregeln müssen böse enden. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann morden sie noch heute ..."
(Gustav Kiepenheuer Bühnenvertrieb GmbH)

Stimmen zum Stück:

"…der Text (enthält) eine Reihe bühnenwirksamer Elemente. Er knüpft mit dem Motiv der Langeweile an berühmte Vorbilder wie "Leonce und Lena", mit dem des Apfelbisses an Märchen, mit der Figur der Änne an "Fräulein Julie", der des Königs an Alfred Jarys "König Ubu" oder mit dem Großwesir an "Tausend und eine Nacht" an. Das Genre "Märchen für Erwachsene" ermöglicht alle denkbaren Variationen bekannter Märchenlemente. Als "Märchen" zwängt es sich in einen Rahmen von Figurenbeziehungen und Handlungsmustern, die immer wieder mit Déjà-vu-Erlebnissen der Zuschauer spielen.Der Text kann - "Märchen für Erwachsene"! - parabelhaft gelesen und assoziativ auf Vorgänge und Figuren der Zeitgeschichte bezogen werden."
(Herbert Fuchs, Marburger Forum 2003)

" ‚Prinzessin Nicoletta' war…ein Husarenstück. Du brachtest es in ihm tatsächlich fertig, all die braven klassischen Mittel der Spannungsdramaturgie und Figurenführung, der Exposition, des Plots, des Sujets usw. mit verblüffender Meisterschaft zu verwenden und…dabei so weit zu überhöhen, dass es post-dramatisch wurde. Tatsächlich: mit den Mitteln der klassischen Dramatik ansatzlos in die landläufig so umraunte Absage an alle Spannungsbögen und Figurenidentifikation. … es war einerseits prächtiges Schauspielfutter, so irrwitzig, opulent und fabuliergewaltig wie eine fahrende Gauklerbühne, und andererseits war es ein feiner kluger Text über die Selbstbehauptung einer Frau."
(Oliver Bukowski, Laudatio an Rebekka Kricheldorf für den Kleist-Förderpreis 2003, abgedruckt in: "dramaturg", Heft 2/03)

Technische Daten

Uraufführung 8.03.2003, Stadttheater Gießen
Regie Peter Hailer
Schweizer Erstaufführung Theater am Neumarkt, Zürich, Mai 2003
Regie Gil Mehmert
Personenzahl 3 D, 4 H, Wechseldekoration
Rechte Gustav Kiepenheuer Bühnenvertriebs-GmbH
Schweinfurthstr. 60
14195 Berlin
Tel: +49 30 8231066
Fax: +49 30 8233911 kiepenheuer-medien@t-online.de
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