Rebekka Kricheldorf

Villa Dolorosa. Drei missratene Geburtstage

frei nach Tschechows „Drei Schwestern“

Irina feiert Geburtstag. Ein rauschendes Fest mit Tanz und vielen Gästen soll es werden. Doch Irina ist angeödet, die wenigen, die gekommen sind, sitzen auf dem Boden rum und Bruder Andrej hat seine neue, bereits schwangere Freundin mitgebracht.
Auch Irinas Schwestern Olga und Mascha tragen nicht gerade zur Erheiterung bei: Mascha ist gefangen in einer lieblosen Ehe und verguckt sich prompt in Andrejs einzigen, verheirateten Freund Georg. Olga ist die Alleinverdienerin des Quartetts und muss die ganze Familie über Wasser halten.
Denn das Erbe der Eltern ist längst zum Fenster hinausgeworfen und die Familienvilla marode. Doch Irina liegt davon unbeeindruckt im Bett und denkt über eine weitere Verlängerung ihres Studiums nach, obwohl sie sich noch nicht so recht fürs nächste Studienfach entscheiden kann.
Auch in den beiden Folgejahren scheitert die traditionelle Geburtstagsfeier: an einer neuen Schwangerschaft, einer Affäre, Selbstmordversuchen, Schulden, Arbeits- und Perspektivlosigkeit – oder einfach an der falschen Musik und gar nicht erst eingeladenen Gästen. Der Zusammenhalt der Geschwister wird auf die Probe gestellt und am Ende bleibt die Frage: Brauche ich einen Plan B für mein Leben? Oder reicht auch eine Therapie?
(Kiepenheuer Bühnenvertrieb)

Stimmen zum Stück:

Dreimal feiert das Stück Irinas Geburtstag. Dreimal reden die Schwestern über die Vergangenheit, statt realistische Pläne für die Zukunft zu schmieden, und dann klingelt der bereits abgehakte Verehrer, wird Partymusik aus der Jugendzeit aufgelegt, entpuppt sich der nächste Berufswechsel als Schnapsidee. Dem Überschuss an Lebensmöglichkeiten, den sie rhetorisch wortgewandt vermessen, steht ihre Erlebnisarmut gegenüber.
„Villa Dolorosa“ ist eine Nachdichtung von Tschechows „Drei Schwestern“. Bemerkenswert ist, dass es in den vergangenen Jahren vor allem Regisseure waren, die das Stück über ihre Inszenierungen für die Gegenwart interessant machten. Jetzt hat dieses Terrain eine Autorin zurückerobert, die große Denkfelder nicht scheut und mit dem Witz der Verzweifelten darauf antwortet, dass ein Einzelner den gesellschaftlichen Gewissheiten immer nur hinterherhinken kann.
(Simone Kaempf, taz, 28.01.2010)


Rebekka Kricheldorf ist mit ihrer Tschechow-Motiv-Übertragung tatsächlich eine eigenständige Gegenwartskomödie gelungen, ein Stück über Selbstbehinderung, Lähmung, Überdruss, all diese „Missgeburten von Möglichkeiten“ einer wohlstandsverwöhnten Bescheidwisser-Generation, der es allmählich an den Kragen geht – Arbeit ist daher ein großes Thema.
(Christine Dössel, Süddeutsche Zeitung, 27.10.2009)

Technische Daten:

Uraufführung 15.10.2009, Theaterhaus Jena
Regie Markus Heinzelmann
Personenzahl 4 Damen, 3 Herren
Rechte Kiepenheuer Bühnenvertrieb
Übersetzungen Theaterbibliothek